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Seltenes Jubiläum: Die Schmidts feiern Eiserne

27. Jun 2007 08:05
Helmut und Loki Schmidt kennen sich schon seit einer halben Ewigkeit
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«Wir konnten uns so gut zanken», begründet Loki Schmidt, warum der spätere Kanzler Helmut Schmidt ihr schon als Kind gefiel. Seit 78 Jahren kennen sie sich, seit 65 sind sie verheiratet. Ein Rückblick.

Altkanzler Helmut Schmidt und seine Frau Loki (Hannelore) feiern am heutigen Mittwoch Eiserne Hochzeit, also ihren 65. Hochzeitstag. Laut Statistischem Bundesamt gibt es in Deutschland rund 14.000 Paare, die dieses Ehejubiläum erreicht haben. Aber nur wenige von ihnen dürften sich schon so rekordverdächtig lange kennen wie Helmut und Loki Schmidt: Vor 78 Jahren, an Ostern 1929, trafen sie als Zehnjährige bei der Einschulung ins Gymnasium zum ersten Mal aufeinander und schlossen bald Freundschaft. Beide wuchsen in Hamburg-Barmbek auf.

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Hannelore Glaser war die Längste in der Klasse und Helmut Schmidt der Kleinste. Sie war burschikos und prügelte sich mit Jungen auf dem Schulhof, er war frech. «Wir konnten uns so gut zanken», erklärte sie einmal die Anziehung zwischen ihnen. Beide stammen sie aus Arbeiterfamilien in Hamburg, konnten sich das Schulgeld nicht leisten und wurden auf die fortschrittliche, musisch ausgerichtete Lichtwarkschule geschickt. Mit zehn haben sie ihre erste Zigarette geraucht, wie sie dem Biografen Michael Schwelien verrieten. Das Rauchen haben sie bis in ihr hohes Alter beibehalten.

Auch 2003 noch immer Alltag: zärtliche Küsse
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Mit 16 - im Jahr 1935 - kam es auf einer Bank im Stadtpark zu den «ersten zarten Küssen». Viel freie Zeit hatten sie damals nicht. Sie war dem Bund Deutscher Mädel (BDM) beigetreten, um auf der Oberschule bleiben zu können. Er war in der Hitler-Jugend. Nach dem Abitur 1937 konnten beide ihren beruflichen Traum nicht verwirklichen. Loki Glaser konnte sich ein Biologiestudium nicht leisten. Bis zum Lehrerexamen 1940 brauchte sie nur vier Semester. Helmut Schmidt wollte Städtebauer oder Architekt werden, wurde aber zur Wehrmacht eingezogen.

Eine gemeinsame Woche

Zu jener Zeit gingen sie vorübergehend getrennte Wege. Doch Anfang 1941 schickte er ihr einen Brief, und sie blieben in Kontakt. Bevor Schmidt als Soldat nach Russland geschickt wurde, besuchte Glaser ihn in Berlin. «Nach mehreren beiderseitigen Abkühlungen, Affären mit anderen und Wiederanknüpfungen hat jene eine gemeinsame Woche zur endgültigen Bindung geführt», schrieb Schmidt in seinem «Rückblick».

Nach seiner Rückkehr von der Ostfront, an Ostern 1942, feierten sie Verlobung. Am 27. Juni 1942 gingen sie zum Standesamt. Die Braut trug einen dunkelblauen Sommermantel, Hut und weiße Handschuhe, wie es in der Helmut-Schmidt-Biografie Schweliens heißt. Die kirchliche Hochzeit folgte am 1. Juli im Dorf Hambergen. Loki Schmidt trug ein selbst genähtes weißes Kleid; für den Schleier bekam sie keinen passenden Stoff mehr, deshalb war er rosa. Der Bräutigam trug Uniform.

Tochter Susanne

Am 26. Juni 1944 kam ihr Sohn Helmut Walter zur Welt, den sie «Moritzelchen» nannten. Im Februar 1945 bekam er plötzlich hohes Fieber und starb drei Tage später. Im Mai 1947 wurde Tochter Susanne geboren. Der Wunsch des Ehepaars nach weiteren Kindern blieb unerfüllt. Susanne Schmidt ist promovierte Volkswirtin und arbeitet in London als Moderatorin beim TV-Sender Bloomberg.

Während Helmut Schmidt von 1945 bis 1949 in Hamburg Staatswissenschaften und Volkswirtschaft studierte, sorgte seine Frau als Lehrerin für den Unterhalt der Familie. Danach begann seine steile politische Karriere; 1953 wurde er erstmals in den Bundestag gewählt.

Frau eines Bundesministers

Loki Schmidt gab ihre Arbeit als Volks- und Realschullehrerin 1972 auf und übernahm öffentlichen Pflichten als Frau eines Bundesministers und dann Bundeskanzlers. Dabei eroberte sie scheinbar beiläufig neues Terrain für Politikerfrauen: Beim Staatsbesuch in Riad ging sie mit auf den roten Teppich; das hätte vor ihr noch keine Frau getan. «Du stehst jetzt hier für alle Frauen der Erde», habe sie sich gesagt.

Das Licht der Öffentlichkeit hat sie vor allem genutzt, um für ihre Herzenssache, den Schutz gefährdeter Pflanzen, Aufmerksamkeit zu finden. So wird seit 1980 jährlich die «Blume des Jahres» auf ihre Initiative hin gekürt. Für ihre Verdienste um den Naturschutz wurde ihr der Titel Professorin verliehen. Aber auch Helmut Schmidt interessiert sich für Ornithologie, und sie haben auch die Leidenschaft für Musik und Kunst sowie für das Schachspiel immer geteilt. «Mein Mann kann heute viel über Naturwissenschaft, vor allem Biologie dozieren.» Sie hingegen könne viel Kluges über Politik und Globalisierung sagen.

«Immer voneinander profitiert»

«Wir haben immer voneinander profitiert - 65 Jahre lang. Und so wird es auch weitergehen», sagte Loki Schmidt vor kurzem. Nach dem Geheimnis ihrer glücklichen Ehe befragt, hat sie geantwortet: «Den Partner nehmen, wie er ist, und nicht, wie man ihn gerne hätte.» Die 88-Jährige erklärte: «Mein Mann Helmut und ich, wir waren niemals verliebt in dem Sinne. Verliebtsein ist wie ein Feuer aus Reisig und Stroh. Dreck und Not und Kummer, wie unsere Generation sie erlebt hat, verbinden mehr.»

Aber sie fühlen sich auch immer noch wie ausgelassene Kinder. «Wir machen häufig abends Quatsch», sagte Loki Schmidt 2005 in der Talkshow «Beckmann». «Wir können beide nicht mehr richtig singen, und mein Mann kann nicht mehr richtig hören. Trotzdem singen wir mit ganz großem Vergnügen, und hinterher lachen wir uns tot.» Helmut Schmidt äußerte sich vor kurzem bei Sandra Maischberger «zufrieden und stolz» über seine Ehe. (Inge Treichel, AP)

 
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