Auch Bundeswehr-Akten zu US-Geheimknast weg
Betroffen sind demnach auch Unterlagen, die den Fall des ehemaligen Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz betreffen.
Das Blatt zitierte einen Sicherheitsexperten, demzufolge mit Hilfe der verschwundenen Daten aufgeklärt werden könnte, welche Offiziere illegalerweise an solchen Verhören teilgenommen hätten.
Aus Sicht des Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom sei es nicht nötig gewesen, die beschädigte Sicherungskopie der Datensätze zu zerstören. «Es gibt das Bundeskriminalamt und einige hochspezialisierte Firmen, die seit langem in der Lage sind, beschädigte Datenträger zu retten und zu rekonstruieren», sagte er der Zeitung. Dass das ZNBw aber offenbar den Versuch unterließ, technische Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei seltsam. «Das riecht nach Vorsatz», sagte Schmidt-Eenboom.
Der Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele bezweifelt, dass die Unterlagen durch eine technische Panne gelöscht wurden. Noch im November 2006 habe er einen Brief von Verteidigungsstaatssekretär Peter Wichert bekommen, wonach der Verteidigungsausschuss des Bundestages über Einsätze der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) im Ausland informiert werde, sagte Ströbele der «Neuen Presse». «Darin steht keine Silbe davon, dass die Daten weg sind. Deshalb zweifle ich, ob das alles so richtig ist.» Möglich sei, dass die Bundeswehr versuche, «Informationen nicht nach außen zu geben».
Zweifel an der Darstellung des Ministeriums äußerte auch der Leiter der Datensicherung im Hochschulrechenzentrum der Freien Universität Berlin, Bernd Melchers. «Alles was fehlerfrei auf Bandkassetten geschrieben wurde, kann man innerhalb von 20 Jahren auch wieder auslesen», zitiert ihn «Report Mainz» auf seiner Website. «Selbst wenn Herr Wichert die Bänder aufgegessen hätte, würden professionelle Datenrettungsunternehmen nach der Verdauung den Inhalt wieder herstellen können.» Zudem sichere jeder Profi in zwei Kopien.
Beim Versuch, die Daten darauf zu übertragen, sei festgestellt worden, dass ein Teil der Bandkassetten nicht mehr lesbar gewesen sei. «Der Versuch, diese Kassetten in einem Ersatzgerät auszulesen und somit die Daten wieder zugänglich zu machen, scheiterte», schreibt Wichert. Entsprechend den Vorschriften seien die nicht mehr lesbaren Kassetten am 4. Juli 2005 vernichtet worden. (nz)

