Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Köhlers Wahl-Idee überzeugt Koalition nicht

25. Jun 2007 17:15
Kann Denkzettel verpassen: Bundespräsident Köhler vor Schloss Bellevue
Bild vergrößern
Einmal sieben Jahre und dann nie wieder: So etwa wünschen sich die Liberalen die Eckdaten der Bundespräsidentschaft. Die Parteien diskutieren auch eine Direktwahl durchs Volk. Die Anregung dazu kam von Köhler selbst.

Am zurückhaltendsten reagierte die Regierung auf die Idee von Bundespräsident Horst Köhler, das Volk künftig das Staatsoberhaupt wählen zu lassen. Jeder «Denkanstoß» des Bundespräsidenten sei diskussionswürdig, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Doch man warte darauf, wie nach der geplanten Verfassungsreform künftig die Mitwirkung des Volkes im Grundgesetz verankert sein werde. Das jedoch sei Sache des Bundestages und des Bundesrates, der Länderkammer.

Mehr in der Netzeitung:
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hält eine Direktwahl des Bundespräsidenten für wenig sinnvoll. Die Bürger direkt abstimmen zu lassen, werte den Präsidentenposten ungünstig auf. Das Volk gewönne den Eindruck, «dass der Bundespräsident erhebliche administrative Macht und Einfluss hätte, den er nach der Verfassung nicht hat», sagte der CDU-Vize Wulff. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach fürchtet einen zu starken Einfluss der Parteien auf die Wahl. «Dann hätten wir alle fünf Jahre einen Wahlkampf, und die Parteien würden eigene Kandidaten aufstellen», sagte er der in Potsdam erscheinenden «Märkischen Allgemeinen».

Machtkonzentration befürchtet

Allerdings wurde auch Köhler von einer Partei aufgestellt - der CDU. Die SPD-Gegenkandidatin Gesine Schwan fiel durch. Bislang wählt die Bundesversammlung den Bundespräsidenten alle fünf Jahre. Die Versammlung besteht aus den Mitgliedern des Bundestages und Delegierten der Länder. Die Macht des Präsidenten reicht aber auch heute schon weit: Hält er verabschiedete Gesetze für rechtswidrig, unterschreibt er sie nicht - und die Regierung muss noch mal von vorn beginnen. Der vor drei Jahren gewählte Köhler machte bereits mehrmals von seinem gefürchteten Vetorecht Gebrauch.

Auch die SPD fürchtet eine zu hohe Machtkonzentration bei Köhler. Eine Direktwahl suggeriere anders als im Grundgesetz vorgesehen, dass der Bundespräsident im Unterschied zum Regierungschef eine stärkere Position erhalten würde, warnte Generalsekretär Hubertus Heil.

Die Grünen sehen sich mit beiden in seltener Übereinstimmung. «Bei der Präsidentenwahl würde ich das bisherige Modell für richtig halten. Das ist unser Beschluss», sagte Grünen-Chefin Claudia Roth. Köhler solle sich jedoch deutlich für direkte Demokratie auf Bundesebene aussprechen, also die auch von dem Regierungssprecher erwähnten Mittel. Die Grünen sehen sich mit ihren Plänen für mehr Volksbeteiligung von Union und Teilen der FDP im Bundestag blockiert.

Wahltermine bündeln

Die FDP sieht dagegen in einer Direktwahl «große Vorteile», wenn sich die Amtszeit von derzeit fünf auf etwa sieben Jahre verlängere und es gleichzeitig keine Möglichkeit zur Wiederwahl mehr gebe, sagte FDP-Chef Guido Westerwelle. Die Anregung dazu gab Köhler am Sonntag selbst. Als Gast der letzten Ausgaben der ARD-Sendung «Sabine Christiansen» hatte er gesagt, dass er «glaube, dass es kein schlechtes Modell wäre, den Bundespräsidenten direkt zu wählen.» Westerwelle betonte, so wie er den Bundespräsidenten verstehe, gehe es dem nicht um die Frage des «nächsten Mals», sondern vielmehr um die grundsätzliche Frage, wie Politik und Bürger wieder einander näher gebracht werden könnten.

Dabei sei eine Direktwahl des Bundespräsidenten nur eine von zahlreichen Maßnahmen. Dazu gehörten auch die dringend notwendige Bündelung von Wahlterminen, um die Lähmung der Tagenspolitik durch Wahlkämpfe zu vermeiden oder das Ende gleichzeitiger Mitgliedschaften in Parlamenten.

Ein CDU-Vertreter zeigt zumindest Sympathie für eine auf sieben Jahre verlängere Amtszeit. Sofern man eine weitere Stärkung der Unabhängigkeit des Amtes des Staatsoberhauptes wünsche, könne man darüber nachdenken, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert der «Neuen Osnabrücker Zeitung». In der CSU jedoch sieht man die gesamte Diskussion als Scheindebatte. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer nannte es im «Handelsblatt» «typisch deutsch, nur weil eine Journalistin eine Frage stellt, sofort ein ganzes System aufgeregt in Frage zu stellen». Zugleich sagte der CSU-Politiker, er würde sich über eine zweite Amtszeit von Köhler freuen.

CDU-Vize Wulff ergänzte seine Ablehnung einer Direktwahl jedoch an einem Punkt: Er sei für die Direktwahl des Bundeskanzlers und der Ministerpräsidenten, «weil die Kontrolle der Regierung durch das Parlament vielleicht etwas unabhängiger stattfinden könnte». (nz/dpa/AP)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Josef Depenbrock & Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.