Die FDP sieht dagegen in einer Direktwahl «große Vorteile», wenn sich die Amtszeit von derzeit fünf auf etwa sieben Jahre verlängere und es gleichzeitig keine Möglichkeit zur Wiederwahl mehr gebe, sagte FDP-Chef Guido Westerwelle. Die Anregung dazu gab Köhler am Sonntag selbst. Als Gast der letzten Ausgaben der ARD-Sendung «Sabine Christiansen» hatte er gesagt, dass er «glaube, dass es kein schlechtes Modell wäre, den Bundespräsidenten direkt zu wählen.» Westerwelle betonte, so wie er den Bundespräsidenten verstehe, gehe es dem nicht um die Frage des «nächsten Mals», sondern vielmehr um die grundsätzliche Frage, wie Politik und Bürger wieder einander näher gebracht werden könnten. Dabei sei eine Direktwahl des Bundespräsidenten nur eine von zahlreichen Maßnahmen. Dazu gehörten auch die dringend notwendige Bündelung von Wahlterminen, um die Lähmung der Tagenspolitik durch Wahlkämpfe zu vermeiden oder das Ende gleichzeitiger Mitgliedschaften in Parlamenten.
Ein CDU-Vertreter zeigt zumindest Sympathie für eine auf sieben Jahre verlängere Amtszeit. Sofern man eine weitere Stärkung der Unabhängigkeit des Amtes des Staatsoberhauptes wünsche, könne man darüber nachdenken, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert der «Neuen Osnabrücker Zeitung». In der CSU jedoch sieht man die gesamte Diskussion als Scheindebatte. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer nannte es im «Handelsblatt» «typisch deutsch, nur weil eine Journalistin eine Frage stellt, sofort ein ganzes System aufgeregt in Frage zu stellen». Zugleich sagte der CSU-Politiker, er würde sich über eine zweite Amtszeit von Köhler freuen.
CDU-Vize Wulff ergänzte seine Ablehnung einer Direktwahl jedoch an einem Punkt: Er sei für die Direktwahl des Bundeskanzlers und der Ministerpräsidenten, «weil die Kontrolle der Regierung durch das Parlament vielleicht etwas unabhängiger stattfinden könnte». (nz/dpa/AP)