Geheimberichte im Fall Kurnaz vernichtet
Kurnaz beschuldigt zwei Soldaten der Bundeswehr- Eliteeinheit «Kommando Spezialkräfte» (KSK), sie hätten ihn im Januar 2002 im US- Gefangenenlager im afghanischen Kandahar misshandelt. Der Verteidigungsausschuss des Bundestags hat sich deshalb im vorigen Jahr in diesem Fall zu einem Untersuchungsausschuss gewandelt und für seine Aufklärungsarbeit sämtliche der Bundeswehr vorliegenden Meldungen aus dem betreffenden Zeitraum über Kandahar angefordert.
«Entsprechend der gültigen Vorschriften im Umgang mit Verschlusssachen wurden die nicht mehr lesbaren Kassetten am 4. Juli 2005 vernichtet.» Der Datenverlust «umfasst im Wesentlichen die Daten, die in den Jahren 1999 bis 2003 aus den Einsatzgebieten gewonnen wurden», heißt es in dem Brief. Nach ARD-Recherchen handelt es sich um sämtliche geheimen Berichte über die Auslandseinsätze, unter anderem des Bundesnachrichtendienstes (BND), von den Militärattachés im Ausland sowie um Mitteilungen ausländischer Nachrichtendienste.
Die Nachricht vom Datenverlust sorgte bei Oppositionspolitikern für Empörung. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Hans-Christian Ströbele, nannte den Vorgang auf «tagesschau.de» einen «handfesten Skandal». Der Obmann der Linksfraktion im Verteidigungsausschuss, Paul Schäfer, sagte mit Blick auf der Fall des Bremer Türken Kurnaz, die Datenvernichtung habe eventuell zur Folge, dass der Ausschuss «wichtige Unterlagen nicht zur Verfügung habe, um aufzuklären».
Der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels wollte sich dieser Auffassung nicht anschließen. Er glaubt nicht, dass der Datenverlust Auswirkungen auf das Untersuchungsergebnis des Verteidigungsausschusses habe. «Im Fall Kurnaz steht Aussage gegen Aussage.» Auch für eventuell noch kommende Untersuchungen anderer Fälle kann Bartels nicht zwingend Beeinträchtigungen ausmachen. Von der Löschung seien lediglich Meldungen aus den Einsatzländern betroffen. Die in Deutschland erstellten Zusammenfassungen sind seiner Ansicht nach noch vorhanden. (nz/dpa)

