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Steinmeier schaltet sich in Haft-Fall Marco W. ein

25. Jun 2007 14:15, ergänzt 18:50
Marco W.
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Der Urlaubsflirt eines 17-jährigen Deutschen in der Türkei könnte zu einer Belastung der Beziehungen beider Länder werden. In Deutschland wird die Inhaftierung des Schülers als unangemessen betrachtet.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) will sich für die Freilassung des in der Türkei inhaftierten Schülers aus dem niedersächsischen Uelzen einsetzen. «Dies ist ein bedauerliches Schicksal, das uns nicht kalt lässt. Wir unterstützen die Familie nach besten Kräften. Die Botschaft ist aktiv. Ich werde mich morgen mit dem türkischen Außenminister (Abdullah Gül) treffen und dabei den Haftfall ansprechen», sagte Steinmeier am Rande einer Menschenrechtskonferenz in Nürnberg.

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Der 17 Jahre alte Schüler Marco W. war vor zehn Wochen wegen eines Urlaubsflirts mit einer 13-jährigen Britin in der Mittelmeerstadt Antalya in Haft genommen worden. Die Mutter des Mädchens hatte den Realschüler wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt.

Wulff: Haft völlig unangemessen

In den Fall hat sich inzwischen auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) eingeschaltet. «Ich wende mich heute noch an den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, dass er sich um diesen Fall persönlich kümmern möge», sagte Wulff der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. «Nach allem, was wir wissen, ist die Haft völlig unangemessen.» Der Jugendliche müsse sofort freigelassen werden.

Der Fall macht nach Wulffs Ansicht deutlich, wie stark die kulturellen Unterschiede zwischen beiden Ländern seien. «Es sollte daraus hoffentlich kein größerer Konflikt zwischen der Türkei und Deutschland werden», sagte Wulff.

Bessere Versorgung des 17-Jährigen

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts (AA) sagte, die Bundesregierung habe die türkischen Behörden um Hafterleichterungen für den inhaftierten Schüler gebeten. Dazu gehörten häufigere Besuche durch die Angehörigen sowie eine bessere Versorgung des 17-Jährigen mit Medikamenten. In einer Verbalnote sei an die türkischen Behörden weiter appelliert worden, auf die nicht einfachen familiären Umstände des Minderjährigen Rücksicht zu nehmen, sagte der AA-Sprecher.

Von deutscher Seite werde alles getan, um rasch zu einer für alle akzeptablen humanitären Lösung zu kommen. Es gehe nicht darum, auf das zuständige Gericht Einfluss zu nehmen. Er warnte auch davor, den Fall politisch gegen die Türkei zu instrumentalisieren.

Lehrer und Mitschüler entsetzt

SPD-Fraktionschef Peter Struck warnte die Türkei wegen des Falls des inhaftierten Jugendlichen aus Deutschland vor einer Verschlechterung der Beziehungen. «Ich appelliere sehr an die türkischen Behörden, dafür zu sorgen, dass der Junge gegen Kaution aus der Haft entlassen wird», sagte Struck in Berlin.

Lehrer und Mitschüler des Jugendlichen in Uelzen zeigten sich entsetzt über die Vorwürfe gegen ihren Mitschüler. Die Mutter des Mädchens hatte den Realschüler angezeigt. Der Junge beteuerte, dass es sich um einen harmlosen Urlaubsflirt gehandelt habe. Zudem habe ihm das Mädchen gesagt, es sei 15 Jahre alt.

Gewalttat vorgeworfen

Der türkische Anwalt für Ausländerangelegenheiten in Antalya, Bilal Kalayci, hatte Einblick in die Anklageschrift. Demnach werde dem Jungen sexueller Missbrauch von Kindern in einem schweren Fall und eine Gewalttat vorgeworfen, sagte er dem Fernsehsender N24. Die Anklage berufe sich auf die Aussage des Mädchens und Gutachter. Der 17-Jährige könnte mit bis zu acht Jahren Haft bestraft werden. Kalayci hatte nach eigenen Angaben Marco im Gefängnis besucht und dessen Gesundheitszustand als «ganz gut» beschrieben.

Für den Jungen sei es wichtig, dass das Mädchen in der am 6. Juli angesetzten Verhandlung persönlich aussagt. Ansonsten müsste die 13- Jährige über ein Rechtshilfeabkommen in England vernommen werden. «Das dauert nach meinen Kenntnissen sechs Monate. Wenn das Mädchen mit seinen Eltern hierher kommt und seine Aussage macht, dann wird das Verfahren kürzer sein», betonte Kalayci.

Mögliche Strafe nicht in Deutschland verbüßbar

In Uelzen sind Freunde und Mitschüler des 17-Jährigen erschüttert über die Vorwürfe gegen ihre Schulkameraden. «Wenn jemand Probleme hatte, konnte er immer zu Marco gehen, er hat das immer geklärt», sagte die 14 Jahre alte Alexandra. Seine Schulleiterin, Elke Schießer, beschreibt den Jugendlichen als sensibel, freundlich und eher etwas kindlich. «Auf keinen Fall ist er ein Aufreißer.» Nach ihren Angaben hatten die Eltern des Jungen versucht, mit den Eltern des Mädchens über den Vorfall zu sprechen. Das hätten die Briten aber abgelehnt und stattdessen die türkische Polizei eingeschaltet.

Nach Angaben des Justizministeriums könnte der Schüler aus Uelzen im Falle einer Verurteilung seine Strafe nicht in Deutschland absitzen. Nach deutschem Recht seien die Vorwürfe, soweit sie bislang bekannt seien, nicht strafbar, sagte eine Ministeriumssprecherin. (nz/AP/dpa)

 
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