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Deutschland von Selbstmordattentätern bedroht

22. Jun 2007 11:13, ergänzt 14:41
Polizisten bewachen den Hamburger Bahnhof (Archivbild)
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Sicherheitsexperten halten die Gefahr von Terroranschlägen in Deutschland für so dramatisch wie zuletzt kurz nach den Anschlägen des 11. September. Gefährdet seien auch Soldaten und Polizisten in Afghanistan.

Deutschland bereitet sich auf Terrorattacken gegen seine Staatsbürger vor. «Leider müssen wir es für möglich halten», sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Die erhöhte Terrorgefahr sei aber «nichts qualitativ Neues». Deutschland sei wie alle anderen europäischen Länder Teil eines Gefahrenraums. Die Bedrohung müsse ernst genommen werden und man müsse ernsthaft darauf reagieren.

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Die Hinweise auf mögliche Attentate hätten sich in den vergangenen Tagen verdichtet, sagte Innen-Staatssekretär August Hanning der «Süddeutschen Zeitung». «Wir sind alarmiert.» Wie die Zeitung berichtet, hat die Bundesregierung Hinweise darauf, dass mindestens zehn Deutsche in Ausbildungslagern von Islamisten im Grenzgebiet zu Pakistan trainieren. Der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, bezeichnete sie laut einem Bericht der «Welt» als «Azubis des Terrors». Er geht von einen Zusammenhang mit dem Terrornetzwerk Al Qaeda aus.

Der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, bestätigte die Festnahme von drei deutschen Islamisten in Pakistan. Wie Ziercke in Wiesbaden sagte, zählen die Festgenommenen zu einer Gruppe von zehn deutschen Islamisten, die nach Angaben der Taliban in den vergangenen Monaten für Selbstmordanschläge in Deutschland ausgebildet wurden. Deutschland habe wegen dieser konkreten Gefahr die Grenzkontrollen verschärft und die verdeckten Maßnahmen zum Aufspüren potenzieller Terroristen ausgeweitet.

Sicherheitsexperten und Regierung halten laut Medienberichten die Lage für so dramatisch wie seit der Zeit nach den Terroranschlägen in New York von 2001 nicht mehr. Es bestehe eine Gefährdung durch Selbstmordattentäter, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Berlin. «Es gibt eine Verbindung in den afghanisch-pakistanischen Raum.» Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg betonte allerdings, man habe weiterhin keine Hinweise auf eine konkrete Gefahr.

Ins Zielspektrum gerückt

Hanning schilderte, in besonderer Gefahr seien deutsche Soldaten, Polizisten und Hilfsorganisationen in Afghanistan. Dort habe es bereits gezielte Angriffe auf deutsche Botschaftsangehörige gegeben. «Wir sind voll ins Zielspektrum des islamistischen Terrors gerückt», wird Hanning zitiert.

So wurde in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul am Samstag ein Konvoi der deutschen Botschaft angegriffen. Bei der Attacke sei niemand verletzt worden, hieß es.

USA tief besorgt

Schon vor Monaten veröffentlichten vermutlich Islamisten ein Video im Internet, das in deutschen Untertiteln Anschläge in Deutschland ankündigten, wenn sich die Bundeswehr nicht aus Afghanistan zurückhole. Welcher Art die Anschläge sein würden, verschwiegen die Autoren des Clips. Hanning sieht eine klare Tendenz: «Wir erleben eine neue Qualität der Gefahr: Deutschland wird mit Selbstmordattentätern gedroht.»

Die Bundesregierung reagierte bereits. Laut «SZ» hat sie Sicherheitsvorkehrungen erheblich verstärkt und plant, die Bevölkerung auf die kritische Lage einstimmen. Aus der Innenpolitik erfährt der Innenstaatsekretär Unterstützung: «Wenn Hanning das sagt, muss das ernst genommen werden. Ich kenne ihn als seriösen Menschen und erfahrenen Sicherheitsmann», sagte SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz der «Mitteldeutschen Zeitung».

Szenario wie in Madrid

Hanning begründet seine Befürchtungen vor allem mit einem Video, das dem US-Sender ABC zugespielt wurde. Auch BKA-Chef Ziercke verwies auf die von Taliban erstellten Filmaufnahmen vom 19. Juni, die eine Art Abschlussfeier für Selbstmordattentäter zeigen. Hier werde eine neue Qualität der Bedrohung deutlich, sagte Ziercke. Neben einer zunehmenden Zahl von Anschlägen in Afghanistan planten die Taliban nun offenbar auch Attentate in den USA, Großbritannien, Kanada und Deutschland. Ziercke machte keine genauen Angaben zur Identität der Festgenommenen und verwies auf die laufenden Ermittlungen. Es handele sich um junge Deutsche, die zum Islam konvertiert seien und sich schrittweise radikalisiert hätten.

Hanning sagte, dass auch die USA derzeit «sehr besorgt» seien. In Deutschland analysieren die Sicherheitsbehörden nun Daten von 890 Personen, die mit dem Umfeld des islamischen Terrorismus und der Rekrutierung von Selbstmordattentätern in Verbindung stehen könnten.

Die Sicherheitsbehörden befürchten laut «Süddeutscher Zeitung» vor allem ein Szenario wie 2004 in Madrid. Bei dem Anschlag auf Vorortzüge in der spanischen Hauptstadt waren fast 200 Menschen ums Leben ums Leben gekommen. Seinerzeit standen in Spanien die Parlamentswahlen an und damit zugleich eine Abstimmung über die Teilnahme des Landes am Irak-Krieg. Die Sozialisten gewannen nach dem Anschlag die Wahl und zogen ihre Soldaten aus dem Irak ab.

Ähnliches könnte den Sicherheitsbehörden zufolge nun in Deutschland passieren, wo im Oktober der Bundestag über die Verlängerung des Afghanistan-Mandats der Bundeswehr entscheiden soll. (nz/dpa/AP/Reuters)

 
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