netzeitung.deSachsen-Affäre: «Spiegel»-Redakteur bedroht

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Nervosität in Sachsen: Am Telefon bedroht (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nervosität in Sachsen: Am Telefon bedroht
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wegen seiner Recherchen zur Korruptionsaffäre in Sachsen ist der Dresdner «Spiegel»-Korrespondent Winter bedroht worden. Ein Unternehmer wollte ihm Kinderschändung anhängen.

In der sächsischen Korruptionsaffäre hat «Spiegel»-Korrespondent Steffen Winter nun selbst bestätigt, dass er bedroht wurde. Er habe am 1. Juni ein Leipziger Bauunternehmen angerufen, um vor dem Hintergrund der Korruptionsaffäre Details über ein vermeintlich dubioses Immobiliengeschäft zu erfahren. Der Unternehmer habe ihn noch am gleichen Tag zurückgerufen und ihm in Anspielung auf seine Recherchen damit gedroht, in Leipzig herumzuerzählen, dass er Kinder schände, wenn das so weitergehe, sagte Winter der Nachrichtenagentur AP. Außerdem sei er von ihm daran erinnert worden, dass er eine Familie habe.

«Der Unternehmer hat mir noch am gleichen Tage eine SMS geschickt, sich entschuldigt, und auch sein Anwalt hat angerufen und bemerkt, dass er sich bestimmt verhört habe», berichtete der Journalist. Bereits zuvor hatte der sächsische Landesinnenminister Albrecht Buttolo (CDU) von kronkreten Bedrohungen gesprochen. Ihm zufolge wird auch Informanten und Ermittlern mit Rufmord und Gewalt gedroht.

Am Dienstag gab es in der Affäre um die Verstrickung von Politikern, Polizisten und Justizbeamten in die Organisierte Kriminalität erste personelle Konsequenzen: Der sächsische Verfassungsschutz-Präsident Rainer Stock wurde von seinem Posten abberufen und ins Innenministerium versetzt, der frühere Verfassungsschutzchef Boos leitet den Geheimdiest jetzt wieder.

In Sachsen sorgen seit einigen schwere Vorwürfe gegen Richter, Staatsanwälte, Polizisten und Politiker für Aufregung. Zeitungen berichteten über Verfassungsschutzakten, in denen sich Hinweise auf Verbindungen zur organisierten Kriminalität finden. Ermittlungsverfahren sollen aufgrund persönlicher Beziehungen niedergeschlagen worden sein, Rathausmitarbeiter sollen Prostituierte gezielt in die Diensträume bestellt haben.

In diesem Zusammenhang gerät auch Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) immer stärker unter Druck. Er habe in seiner Zeit als sächsischer Innenminister den Landesbehörden wichtige Informationen zurückgehalten. (nz/AP)