08.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Konzert beim Kirchentag
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Muslime und Protestanten diskutieren auf dem Kirchentag heftig über das Verhältnis zueinander. Islam-Vertreter kritisierten eine «gönnerhafte Gewährung und Duldung» durch die Protestanten.
Konflikte zwischen der evangelischen Kirche und den muslimischen Verbänden sind auch auf dem Evangelischen Kirchentag in Köln nicht entschärft worden. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, forderte die islamischen Länder auf, mehr Religionsfreiheit zu gewähren. Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) warf seinerseits der EKD vor, sie trage nicht genügend zum Abbau von Spannungen bei.
Auch am Freitag spielte das Thema Islam eine wichtige Rolle im Kirchentags-Programm. Am Nachmittag wurde Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu einer Diskussion über Religionspolitik in Deutschland und Ägypten erwartet. Mittags fanden mehrere muslimische Freitagsgebete mit Predigt in deutscher Sprache statt, zu denen im Kirchentagsprogramm offiziell eingeladen wurde.
Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Ayyub Axel Köhler, kritisierte am Donnerstag, die Muslime hätten sich mehr Verständnis für ihre Situation von den Protestanten erhofft. Toleranz sei keine «gönnerhafte Gewährung und Duldung».
Religionsfreiheit muss überall geltenBischof Huber wies den Vorwurf zurück, die evangelische Kirche setze Dialog und Mission gleich. Er bekräftigte die Forderung nach Religionsfreiheit in islamischen Ländern. Religionsfreiheit müsse für alle und an allen Orten gelten, «für Muslime in Deutschland wie für Christen in der Türkei».
Die Freiheit zur Religion sei ebenso wichtig wie die Freiheit von der Religion, sagte der Bischof. Muslime müssten das Recht des Religionswechsels akzeptieren. Noch immer gebe es in Deutschland ehemalige Muslime, die sich wegen Sorge vor Repressalien nicht trauten, ihren Übertritt zum Christentum zu bekennen.
Kontrovers wurde auch über das evangelische Papier «Klarheit und gute Nachbarschaft» zum Verhältnis von Christen und Muslimen debattiert. Es hatte für erhebliche Verstimmung im christlich-islamischen Gespräch gesorgt. Der Text handle von der Abgrenzung und der eigenen Profilierung und verstärke die Islamophobie in Deutschland, kritisierte Köhler. In dieser Form könne die Handreichung von muslimischer Seite nicht akzeptiert werden. (epd)