Der etwas andere Globalisierungsgipfel
07.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Traditionell ist der Kirchentag der Ort, an dem es genau um die Themen geht, die nun auch in Heiligendamm auf der Tagesordnung stehen. Während dort jedoch geschützt vom zwölf-Millionen-Euro-teuren Zaun allein acht Mächtige das Wort haben, sind es in Köln gut 400.000 Menschen, die miteinander diskutieren und singen, feiern, vortragen, zuhören. Allein die Summe, die für den Heiligendammer Zaun ausgegeben wurde, hätte in Köln fast gereicht, um die gesamte Großveranstaltung zu organisieren: 14 Millionen Euro.
Kölns katholischer Erzbischof Joachim Kardinal Meisner stichelte denn auch pünktlich zur Eröffnung des Evangelischen Kirchentags in seiner Stadt am Mittwoch, das Programm erwecke «den Eindruck eines 'Leipziger Allerleis'». Woraufhin Kirchentagspräsident Reinhard Höppner trocken konterte: «Als Ostdeutscher möchte ich dazu bemerken: Leipziger Allerlei ist ein sehr schmackhaftes Gericht und es sättigt auch.»
Am Donnerstagabend sättigt der Kirchentag im übertragenen Sinne auch diejenigen, die sich hin- und her gerissen fühlten, sich gern in Heiligendamm dem Strom der Protestierenden angeschlossen hätten und dann doch nach Köln fuhren. «Globalisieurng neu denken», heißt der Programmpunkt lapidar auf Seite 214. Per Live-Schaltung an die Ostsee soll es einen «Ruf an den G8-Gipfel» geben. Statements kommen von Kirchentagspräsident Höppner, Bischof Wolfgang Huber, dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Erzbischof Desmond Tutu aus Südafrika. Last but not least meldet sich auch die globalisierungskritische Organisation Attac zu Wort, vertreten durch Susan George aus Frankreich.
Bundeskanzlerin Angela Merkel kann dann am Samstag erzählen, wie dieser Ruf der Hunderttausend bei den acht Mächtigen ankam. Sie wird den G8-Gipfel in Heiligendamm bereits beendet haben, wenn sie auf dem Kirchentag zum Thema «Weltwirtschaft gestalten» spricht. Sie wird sich den kritischen Fragen und sicherlich auch Vorwürfen ihrer Zuhörer stellen müssen. Denn dass die Abschlusserklärung des Gipfeltreffens im Sinne der Globalisierungskritiker ausfallen könnte, daran glaubt hier niemand.

