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«Lebendig und schärfer» glauben in Köln

06. Jun 2007 13:18
Fisch: Köln hat eine Brücke illuminiert
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Der Kirchentag in Köln fällt terminlich mit dem G8-Gipfel zusammen – was die Medien-Aufmerksamkeit zwar schwächt, aber auch Chancen bietet – schließlich sind alle Wichtigen gerade im Land.

Das Kirchentagsbrot ist gebacken, tausende Papphocker sind gefaltet, Fahnen aufgehangen, Transparente beschriftet – nun kann der Kirchentag in Köln beginnen. Mehr als 100.000 Dauerteilnehmer werden sich und ihren Glauben bis zum Sonntag bei dem 31. Treffen der kirchlichen Nichtprofis feiern.

Die Christen treffen sich fast zeitgleich mit den Staats- und Regierungschef der G8-Länder, die im Seebad Heiligendamm ihre Jahrestagung abhalten. Das Thema Globalisierung wird nicht zuletzt auf Grund dieser Parallelität ein Schwerpunkt auf dem Protestantentreffen sein.

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So fallen auch die Appelle aus. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, forderte mehr Anstrengungen im Kampf gegen den Hunger in der Welt gefordert. Es sei nicht hinnehmbar, dass weiterhin 800 Millionen Menschen vom Hunger bedroht seien und dass täglich 10.000 Kinder stürben, mahnte Schneider am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur Teilnehmer des G8-Gipfels in Heiligendamm. Auch «hinter dem Zaun» gebe es Christenmenschen. Geistliche aus aller Welt wollen vom Kirchentag aus eine Botschaft zum G-8-Gipfel schicken. Über den genauen Wortlaut werde noch beraten, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, am Mittwoch im WDR-Morgenmagazin. Im Kern gehe es um das Thema «Gerechte Teilhabe».

Deutliche Antworten

Tausende Demonstranten hatten in den letzten Tagen mit Nachdruck ihre Kritik an der Globalisierung und ihren Nachteilen zum Ausdruck gebracht, zum Teil waren die Proteste von Gewalt begleitet. In Reden und Interviews plädierte Kirchentagspräsident Reinhard Höppner immer wieder für einen Dialog zwischen den G-8-Staaten und ihren Kritikern. Die Globalisierung sei «keine Naturgewalt, sondern eine Gestaltungsaufgabe», betont der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Es müsse deutliche Antworten auf die Frage geben, wie mit den Verlierern des globalen Wettbewerbs umgegangen wird.

Symbol des Kirchentags: Der Papphocker (hier in Hannover 2005)
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Zahlreiche Prominente werden in Köln erwartet, darunter Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Merkel (CDU) spricht sie mit dem Banker aus Bangladesch darüber, wie die Globalisierung gestaltet werden muss, damit alle davon profitieren.

Motto unklar

Rund 3000 verschiedene Veranstaltungen sind geplant. Am Donnerstag kommen Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft auf dem Roncalliplatz in Köln zum «Ruf an den G-8-Gipfel» zusammen. Neben dem EKD-Ratsvorsitzenden Huber werden die attac-Aktivistin Susan George, Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu und andere über eine gerechte Globalisierung sprechen.

Brot zur Begrüßung der Kirchentagsbesucher
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Auf den ersten Blick ist unklar, was mit dem Motto «lebendig und kräftig und schärfer» des Kirchentages gemeint ist. Erst wer nachfragt oder in der Bibel im Hebräerbrief nachschlägt, erfährt: Es geht um das Wort Gottes. Als Institution gegründet wurde der Kirchentag 1949 in Hannover auf Initiative des Theologen Reinold von Thadden-Trieglaff, der bis 1964 auch sein Präsident war. Bis 1954 fanden die Treffen jährlich statt. 1957 wurde ein zweijähriger Turnus festgelegt, so dass Kirchentage heute in der Regel im Wechsel mit den Katholikentagen stattfinden. In Zusammenarbeit mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken gab es 2003 in Berlin den ersten Ökumenischen Kirchentag, 2010 wird in München der zweite folgen.

Auf die Gastgeberstadt Köln kommt eine wahre Mammut-Veranstaltung zu. Neben den 100.000 Dauerteilnehmern haben sich zu dem Protestantentreffen 45.000 zahlende Tagesbesucher angemeldet, hinzu kommen tausende Passanten in der Innenstadt. (nz/epd/dpaAP)

 
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