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«Wir brauchen ein bisschen den Skandal»

05. Jun 2007 16:30
So sah es am Samstag in Rostock aus
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Nach den Krawallen von Rostock debattieren G8-Gipfel-Gegner heftig über den Umgang mit Gewalt. Von deutlicher Ablehnung bis zu Rechtfertigung reicht das Spektrum. Michael Fengler hat sich umgehört.

Ihre Pupillen werden immer größer, ihr Tonfall immer schärfer. Die junge Gewerkschafterin kann kaum ihren Zorn über die Ereignisse vom Samstag bändigen. «Um uns herum fliegen Steine, und Chaoten machen die Veranstaltung kaputt. Und auf der Bühne wird den Menschen erklärt, sie sollen Ketten bilden, um das Eindringen der Polizei zu verhindern!», ereifert sie sich.

Drei Redner auf der Abschlusskundgebung im Rostocker Stadthafen haben nach ihrer Beobachtung die Lage unnötig weiter verschärft. «Wenn so etwas wie am Samstag passiert, dann muss man auch in der Lage sein, das Zusammengehen mit bestimmten Gruppen aufzukündigen», sagt sie. Das Bündnis der Gipfelgegner sei für sie nicht mehr tragfähig.

Zerbrechliches Bündnis

Die junge Frau steht mir ihrer Meinung nicht allein da. Seit dem «Randale-Samstag» toben unter den G8-Gipfelgegnern heftige Auseinandersetzungen über den Umgang mit Gewalt. Dabei zeigt sich die Zerbrechlichkeit des Bündnisses. Ein Minimalkonsens, die Ablehnung der G8, hat so unterschiedliche Gruppen wie das Linksaußen-Netzwerk «Dissent» und die Gewerkschaft verdi unter ein gemeinsames Dach gezwungen. Auf einen einheitlichen Standpunkt zum Thema «Wie weit darf der Protest gehen?» konnte man sich bislang nicht einigen.

Besonders bereitet der Anteil gewaltbereiter Globalisierungsgegner aus anderen Ländern Sorgen: «Dort werden die Auseinandersetzung viel härter geführt als bei uns. Wir geben zu, dass wir uns da verschätzt haben und sind selbst schockiert über das Ausmaß der Gewalt», so Jutta Sundermann vom attac-Presseteam.

Hier campen friedliche Protestler
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In den Anti-G8-Camps setzen sich die Diskussionen fort. Am Dienstagmorgen sprach sich Peter Wahl vom «Alternativgipfel» auf einer Pressekonferenz für Gewaltlosigkeit und Dialog aus. Den Dialog suchen die Organisatoren vor allem mit den Einheimischen, die mit unverhohlener Wut auf die Ausschreitungen reagiert haben. Kurz nach dem Ende der Pressekonferenz meint dann aber ein junger Mann aus dem Block-G8-Bündnis: «Ich gehe mit der unbedingten Gewaltlosigkeit nicht mit. Schließlich hat die Polizei auch ihren Teil zur Eskalation beigetragen.»

Der Sprecher der Block G8-Aktivisten, Christoph Kleine, führte hingegen Gespräche mit der Polizei- Sondereinheit «Kavala», um Konfliktpotenzial auf beiden Seiten schon im Vorfeld zu mindern. Und die «Interventionistische Linke» erklärt, dass sie - ihrem kämpferischen Namen zum Trotz - Eskalationen nicht befürwortet. Ihr Pressesprecher Tim Laumeyer sagte gestern allerdings auch in einem Interview, dass die Aktionen schon zugespitzt sein müssten. «Demonstrationen sind richtig und wichtig, reichen aber nicht aus. Wir brauchen ein bisschen den Skandal. Weswegen wir ja auch sagen, wir beteiligen uns an den Massenblockaden, sprich ziviler Ungehorsam rund um Heiligendamm.» Diese Art der «Zuspitzung» solle aber nicht dazu führen, dass die Situation komplett eskaliert.

«Kämpferisch, aber gewaltlos» – das ist die Formel für die kommenden Tage. Gewirkt hat sie schon am Montagabend. Trotz der Auflösung einer Großdemonstration vor deren eigentlichem Ziel blieb es friedlich in Rostock.

 
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