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«Wir sind alle Rostocker Jungs»

03. Jun 2007 12:01
Aufräumen in Rostock
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In den Straßen Rostocks hat sich die Lage nach den schweren Ausschreitungen vom Samstag wieder beruhigt. Ein Streifzug mit Michael Fengler.

Mitten in der Nacht sind plötzlich Schreie zu hören. Lautes Knallen und Ballern weckt die Menschen. Im Szeneviertel Kröpeliner-Tor-Vorstadt liefern sich Randalierer und die Polizei eine von vielen Auseinandersetzungen. Sirenen heulen, das markante Öffnen von Schiebetüren der Polizeibusse ist zu hören, dann Stiefeltrappeln. Was geschrieen wird, ist nicht zu verstehen, doch hat der infernalische Lärm auch letzten Anwohner aus dem Schlaf gerissen. Der ganze Spuk ist nach wenigen Minuten vorbei, doch sind in der Ferne schon wieder Polizeisirenen zu hören.

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  • So geht es schon seit Stunden in Rostock – immer wieder flammt Gewalt auf. Am Ende der schweren Auseinandersetzungen am Samstag standen fast 1000 Verletzte - Polizisten und Demonstranten. Die Stadt Rostock hatte am Samstagabend mit den Kliniken in der Nachbarstadt Bad Doberan zu verhandeln begonnen, um im Notfall auch dort Verletzte versorgen zu können. Der hörbar geschockte Pressesprecher der Stadtverwaltung, Ulrich Kunze, wünschte sich nur noch eins: «Das sich die Lage entspannt.»

    Die Rettungskräfte fahren pausenlos Einsätze, doch finden sie am Einsatzort oftmals niemanden mehr vor. Die Arbeit der Feuerwehr wurde von Autonomen massiv behindert, drei Einsatzfahrzeuge wurden beschädigt. Zu einem Brand konnten die Feuerwehrmänner nicht gelangen, weil Randalierer ihnen den Weg versperrten. Die Polizei löschte die Flammen schließlich mit einem Wasserwerfer.

    «Wir sind alle Rostocker Jungs!»

    Zwischen zwei und drei Uhr kehrt dann langsam Ruhe ein. Am Doberaner Platz steht eine Hundertschaft der hessischen Polizei, am 24-Stunden Dönerstand grölen einige Betrunkene «Wir sind alle Rostocker Jungs!».

    Am Hauptsitz der Ostseesparkasse gleich um die Ecke ist eine Reihe eingeschlagener Scheiben notdürftig mit Folie gesichert, in der Langen Straße sind in fast allen Scheiben der Sparkassenfiliale Löcher von Steinwürfen zu sehen. In der Nähe des Stadthafens steht noch immer das ausgebrannte Wrack eines Autos. In den Nebenstraßen warten Polizisten in Kampfmontur in Bereitschaft, jetzt aber deutlich entspannter.

    Einige schlafen in den Polizeibullys, die Köpfe nach hinten gesunken auf den schweren Uniformen. Auf den Stufen der Jakobipassage sitzen Beamte, rauchen und werten die Ereignisse des Tages aus. Sie zeigen sich schockiert über die Gewalt.

    «Danke Bundesregierung»

    Immer wieder werden sie kurz aufmerksam, wenn dunkel gekleidete Grüppchen durch die Kröpeliner Straße, die Shoppingmeile in der Hansestadt, laufen. Viele der vernagelten Schaufenster sind mittlerweile mit Plakaten beklebt. An einem mit Spanplatten gesicherten Schuhgeschäft hängt seit einem Tag ein Zettel mit der Aufschrift «Danke Bundesregierung – Danke Ostseezeitung».

    Viele Rostocker hatten sich vor dem Wochenende gewundert und auch bestürzt darüber gezeigt, dass fast zwei Drittel der Schaufenster verbarrikadiert und die noch freien Auslagen ausgeräumt wurden. Die Ereignisse der vergangenen Stunden gaben den Vorsichtigen Recht.

     
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