Kleinere Übergriffe hatte es schon vorher gegeben: Ein Polizist wurde mit einem Messer verletzt. Farbbeutel, Flaschen und Steine flogen auf ein Hotel, wo eine US-Delegation wohnen soll. Die Veranstalter distanzierten sich von den Gewalttätern und räumten Versäumnisse ein: Es habe verbindliche Absprachen mit allen Teilnehmern, auch den Linksradikalen, gegeben, dass die Demonstration «absolut friedfertig ohne Auseinandersetzungen mit der Polizei über die Bühne geht», sagte Mani Stenner von der Demo-Leitung. «Wir haben es versäumt, bis zum letzten Moment vorsichtig zu sein und Vorkehrungen zu treffen.» Dass Polizisten bei der Ankunft auf dem Kundgebungsplatz angegriffen worden seien, sei durch nichts zu rechtfertigen. Stenner lobte die Polizeitaktik bis zu diesem Zeitpunkt. Nach der Attacke auf den Polizeiwagen allerdings habe auch die Polizei «rüpelhaft zugeschlagen».
Demonstranten hätten Knochenbrüche und Schädeltraumata erlitten. Die Demonstration unter dem Motto «Eine andere Welt ist möglich» war von zahlreichen Gruppen aus dem In- und Ausland organisiert worden. Die Teilnehmer wandten sich unter anderem gegen die Existenz von Atomwaffen und die Irak-Politik der USA. Zudem warfen sie den Industriestaaten Ausbeutung der Dritten Welt vor und forderten Maßnahmen gegen den Klimawandel.
Um Ausschreitungen zu verhindern, war die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort und hatte strenge Sicherheitsauflagen erlassen. Insgesamt sollen bei den Protesten und zum Schutz des G8-Gipfels vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm 16.000 Polizisten eingesetzt werden. (Claus-Peter Tiemann/ AP)