Rund 1000 Verletzte in Rostock
Mindestens 128 Verdächtige wurden von der Polizei festgenommen, davon waren 63 am Sonntag noch in Haft. Die Demonstrationsleitung sprach von mindestens 165 Festnahmen. Der Sachschaden ließ sich kaum abschätzen: Mehrere Autos wurden demoliert, zwei Wagen brannten aus, gepflasterte Bürgersteige wurden von Autonomen für Wurfgeschosse aufgerissen, Verkehrsschilder und ein Parkscheinautomat umgeworfen, Müll angezündet. Am Sonntag rückten Arbeiter zum Aufräumen an: Pflastersteine wurden wieder eingesetzt, die ausgebrannten Fahrzeuge abgeschleppt und der Müll abtransportiert.
Die Krawalle brachen gegen 15 Uhr aus, als die Menschenmassen auf das Gelände am Stadthafen strömten. Ein Polizeiauto wurde angegriffen mehrere Beamte verletzt. Daraufhin stürmten Polizeitrupps in die Menge, um Tatverdächtige festzunehmen. Die Stimmung explodierte: «Die Autonomen schlagen alles kurz und klein, was sich ihnen in den Weg stellt», sagte ein Polizeisprecher. Schwarzer Rauch zog durch die Straßen, die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer gegen die Angreifer ein. Dabei wurden auch unbeteiligte Demonstranten getroffen.
Die Veranstalter distanzierten sich von den Gewalttätern und räumten Versäumnisse ein: Es habe verbindliche Absprachen mit allen Teilnehmern, auch den Linksradikalen, gegeben, dass die Demonstration «absolut friedfertig ohne Auseinandersetzungen mit der Polizei über die Bühne geht», sagte Mani Stenner von der Demo-Leitung. «Wir haben es versäumt, bis zum letzten Moment vorsichtig zu sein und Vorkehrungen zu treffen.» Dass Polizisten bei der Ankunft auf dem Kundgebungsplatz angegriffen worden seien, sei durch nichts zu rechtfertigen. Stenner lobte die Polizeitaktik bis zu diesem Zeitpunkt. Nach der Attacke auf den Polizeiwagen allerdings habe auch die Polizei «rüpelhaft zugeschlagen».
Demonstranten hätten Knochenbrüche und Schädeltraumata erlitten. Die Demonstration unter dem Motto «Eine andere Welt ist möglich» war von zahlreichen Gruppen aus dem In- und Ausland organisiert worden. Die Teilnehmer wandten sich unter anderem gegen die Existenz von Atomwaffen und die Irak-Politik der USA. Zudem warfen sie den Industriestaaten Ausbeutung der Dritten Welt vor und forderten Maßnahmen gegen den Klimawandel.
Um Ausschreitungen zu verhindern, war die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort und hatte strenge Sicherheitsauflagen erlassen. Insgesamt sollen bei den Protesten und zum Schutz des G8-Gipfels vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm 16.000 Polizisten eingesetzt werden. (Claus-Peter Tiemann/ AP)

