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Holland bittet zur Transplantation

31. Mai 2007 14:08
Die Webseite der Show bei BNN: 'Menschenverachtung'
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Organspender und Empfänger zu verkuppeln, ist in Deutschland verboten. Durch den Aufruhr um seine «Big Donor Show» hat der niederländische TV-Sender BNN eines erreicht: Aufmerksamkeit. Denn Organe sind knapp.

Krebskranken ein Organ spenden? In den Niederlanden scheint es möglich zu sein, jedenfalls suggeriert dies eine Reality-Show, die eine niederländische Fernsehstation am Freitag sendet. Eine todkranke, als «Lisa» vorgestellte 37-Jährige, soll vor dem Fernsehpublikum des TV-Kanals BNN eine ihrer Nieren einem von drei Kandidaten spenden – welchem, entscheidet sie, nachdem ihr die Zuschauer per SMS Tipps gegeben haben. Die Show geht am Freitag auf Sendung - in einem Land, in dem auch Sterbehilfe erlaubt ist. «Lisas» bürgerlicher Name ist geheim, ebenso die Namen der Bewerber.

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In Deutschland ist so etwas verboten. «Da die Spenderin krebskrank ist, geht die Organspende schon aus medizinischen Gründen nicht», begründet der medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Günter Kirste. Außerdem sei es nach deutschem Recht unzulässig, Fremde gezielt als Empfänger des eigenen Organs auszuwählen. Nur nahe Verwandte und enge Freunde dürfe ein Spender begünstigen. Und: Der Spender muss leben. Die Organe Toter werden gemäß der Richtlinien der Bundesärztekammer und dem Transplantationsgesetz verteilt. Auch in den Niederlanden läge die Entscheidung nach «Lisas» Tod dann bei einer Behörde. Ihre zweite Niere würde dann anonym an einen Empfänger gelangen.

«Menschenverachtung»

Der Sender hat die 18- bis 40-jährigen Kandidaten nach Kriterien wie Lebenslust oder Ausstrahlung ausgesucht. Auch medizinisch sollen sie angeblich zueinander passen – wichtig für die Verträglichkeit des neuen Organs mit dem Empfänger. Das Publikum soll sie während der Sendung näher kennenlernen, um seine Tipps für «Lisa» abzugeben, die dann final entscheidet.

BNN-Gründer de Graff
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Nicht nur in den Niederlanden regt sich Protest vor allem konservativer Politiker. Der Niederländische Königliche Ärzteverband rief seine Mitglieder dazu auf, bei einer möglichen Transplantation der «gewonnenen» Niere nicht mitzuarbeiten. «Das Leid von Patienten gehört nicht in ein Unterhaltungsprogramm». Ein EU-Kommissionssprecher attestierte dem Sender einen «ziemlich schlechten Geschmack». In Deutschland entrüstete sich die Bundesärztekammer, man wolle «durch Menschenverachtung» die Quote steigern.

Doch die Show absetzen kann nur der Sender selbst. Das Mediengesetz erlaube es nicht, eine Sendung vor der Ausstrahlung zu untersagen, betonte Hollands Medienminister Ronald Plasterk. BNN nennt hehre Motive für sein Handeln: Sender-Gründer Bart de Graaff sei vor Jahren mangels eines passenden Spenderorgans gestorben. Mehr Aufmerksamkeit für das Thema Organspende will man schaffen.

Österreich lebt gut damit

Eines har der BNN-Coup schon im Vorfeld bewirkt - man spricht wieder über Organspenden und ihre Notwendigkeit. Hier herrscht Nachholbedarf: In Umfragen sind zwei Drittel der Deutschen zur Organspende bereit, einen dafür notwendigen Ausweis lässt sich nur ein Bruchteil ausstellen. 1999 hatten elf Prozent der Bundesbürger einen solchen Pass, in den Niederlanden sind immerhin fast ein Fünftel registriert. In Deutschland warten rund 12.000 Dialysepatienten auf eine Niere, die durchschnittliche Wartezeit stieg Ende der 90er Jahre von vier auf sechs Jahre. In den Niederlanden rückt jeder Patient binnen vier Jahren an die Spitze der Warteliste.

Diese Wartezeiten zu minimieren, müht sich seit Jahren die Politik. Der Nationale Ethikrat schlug jüngst vor, künftig jeden Deutschen als Organspender zu betrachten, der nicht zu Lebzeiten widersprochen habe. Österreich lebt bestens mit einer solchen Regelung. In Deutschland findet sich dafür jedoch keine politische Mehrheit. In Kampagnen werben Schauspieler wie Jürgen Vogel oder Michel Schumacher für die Organspende – mit mäßiger Wirkung.

Ist jedoch ein Spender erst einmal vorhanden, sind Entnahme und Vermittlung des Organs strikt getrennt, um möglichen Handel mit den lebensrettenden Körperteilen zu unterbinden. Mit den Benelux-Ländern und Belgien, Deutschland, Luxemburg, Österreich, Slowenien und Kroatien gehören die Niederlande zur Stiftung «Eurotransplant», die die Vergabe von Spenderorganen koordiniert, die Organe und Empfänger mit passenden Blutgruppen binnen Stunden zueinander führt.

Richtig Ficken

Ähnliche Netzwerke existieren in Nord- und Nordosteuropa. BNN ließ jedoch wissen, man habe eine Absprache mit einer Klinik für die Transplantation getroffen – was ein Bruch des Trennungsgebots wäre. Wie die Zeitung «Volkskrant» wiederum berichtete, haben sich die sieben Nierentransplantationszentren der Niederlande geweigert, an der Show mitzuarbeiten.

In eigener Sache ging das Konzept der Programmplaner von BNN jedoch erneut bestens auf: Weltweit berichteten Medien Wochenende über die Show. Schon mehrfach hatte BNN Kontroversen ausgelöst, unter anderem mit der Show «Spritzen und Schlucken» über verschiedene Sexpraktiken und Drogenkonsum und das Informationsprogramm «Ficken - So geht's richtig».

 
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