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Fragen nach dem «Jottesdienst inner Moschee»

30. Mai 2007 16:37
Muslime beten in einer Moschee in Köln
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Köln gilt als weltoffen und multikulturell. Doch das im Stadtteil Ehrenfeld eine Moschee gebaut werden soll, provoziert heftigen Widerstand - nicht nur bei Rechtsextremen.

«Kölle Alaaf», ruft die Frau mit Kopftuch zum Beweis dafür, dass sie «waschechte Kölnerin» ist. Aber das ist auch alles, was an diesem Dienstagabend an den Karneval erinnert. Inmitten von Tumulten werden mehrere rechte Störer werden gewaltsam aus dem Saal geschafft. Nur ein Thema kann die Kölner zurzeit so in Rage bringen: der geplante Bau einer Zentralmoschee im Traditions-«Veedel» Ehrenfeld. Die Diskussion um das Gebetshaus für 2000 und mehr Gläubige nimmt seit Monaten an Heftigkeit zu, angestachelt von der rechtsextremen Partei «pro Köln». Zuletzt hatte auch der jüdische Autor Ralph Giordano zum Verzicht auf die «gewaltige islamische Architektur» aufgerufen.

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«Dieses Land ist seit 1000 Jahren unser Deutschland», kritisiert ein Herr, der sich selbst als «sehr konservativ» bezeichnet. «Gäste sollen sich wie Gäste verhalten.» Die Türkin mit dem Kopftuch hält ihm entgegen: «Was 1000 Jahre Deutschland war, ist Vergangenheit. Wir sind jetzt Deutsche.» Köln hat eine Million Einwohner, und 120.000 davon sind Muslime.

Die mit 700 Leuten besetzte Schulaula in Ehrenfeld kocht. Viele haben wohl monatelang auf eine Gelegenheit gewartet, sich mal Luft zu machen. «Die Minarette sehen ja aus wie Raketen», schimpft eine Frau. «Die haben nichts Rheinisches, nichts Gemütliches.» Ein Mann fühlt sich durch den Kuppelbau «an ein Atomkraftwerk erinnert», ein anderer an einen «Science-Fiction-Tempel».

«Was ist mit unserer Kultur?»

«Und unsere Kultur?», ruft eine Frau von Anfang 60 mit perlenbestickter Röhrenjeans. «Was ist mit unserer Kultur?» Eine gebürtige Ehrenfelderin schimpft: «Sollen die Türken doch auf die Schäl Sick gehen!» «Schäl Sick», das ist die falsche rechte Rheinseite, nach Meinung Konrad Adenauers fast schon Asien. Der örtliche DGB-Vorsitzende erinnert die Moschee-Gegner an ein Wort Friedrichs des Großen: «Und wenn die Muslime zu uns kämen, so müssten wir Moscheen bauen.» Zwischenruf: «Ach hören Se auf, wir sind hier keine Preußen.»

Es gibt noch viele Fragen an diesem Abend. Warum müssen die Minarette 55 Meter hoch sein? Wo sollen die ganzen Leute parken? Wie lange dauert so ein «Jottesdienst inner Moschee»? Antwort von Mehmet Günet, dem Baubeauftragten der türkisch-islamischen Organisation DITIB: «Die ganze Chose dauert anderthalb Stunden.»

«Fischkopp!»

Integrationsdezernentin Marlis Bredehorst weist darauf hin, dass die Protestanten in Köln auch erst seit 200 Jahren eigene Kirchen haben dürften, und so ignorant wolle man doch diesmal nicht sein. «Ich selbst komme aus Hamburg, und bis ich hierher kam, kannte ich auch keine Katholiken.» «Fischkopp!», tönt es von hinten.

«In der letzten Woche habe ich mir ein bisschen Sorgen gemacht um den Ruf meiner Stadt», sagt die Kölner Bundestagsabgeordnete und SPD- Islambeauftragte Lale Akgün. Doch jetzt stellt sie zu ihrer Erleichterung fest, dass eine deutliche Mehrheit der Anwesenden klatscht, wenn etwas Positives über die Moschee gesagt wird: «Sie haben es mir ermöglicht, dass ich rausgehen und sagen kann: Köln ist immer noch eine weltoffene Stadt.» - «Klar sind wir weltoffen», brummt ein Mann mit Schnauzbart. «Aber das geht doch auch ohne Moschee.» (Von Christoph Driessen, dpa)

 
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