Sudetendeutsche wollen mit Prag reden
26.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Bei der Entgegennahme des Europäischen Karlspreises der Landsmannschaft für seine Verdienste und seine Unterstützung der Sudetendeutschen sprach sich Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) erneut für die Einrichtung eines Zentrums gegen Vertreibung in Berlin aus. Es solle ein sichtbares Zeichen des Gedenkens an die Vertreibung neben den anderen Denkmälern in Berlin sein. «Man kann nicht über Vertreibungen in der Welt sprechen, ohne die Vertreibung im eigenen Land zu thematisieren.» Hessen werde als erstes Bundesland eine Patenschaft für die Stiftung zur Einrichtung des Zentrums übernehmen und einen finanziellen Beitrag von einigen 100 000 Euro dazu leisten.
Koch sagte zu den umstrittenen Benes-Dekreten, es sei nicht zu akzeptieren, dass «dieses Unrecht» geltendes Recht in einem europäischen Staat bleibe. Die so genannten Benes-Dekrete waren nach dem Zweiten Weltkrieg die Grundlage für die Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer Heimat und gelten zum Teil noch heute. «Wir können ein sehr entspanntes Verhältnis zur tschechischen Regierung haben, wenn wir klar sagen, was wir fordern», sagte Koch.
Bayerns Sozialministerin Christa Stewens (CSU) sprach sich als Schirmherrin der Sudetendeutschen wie Koch für die Einrichtung eines Zentrums gegen Vertreibung aus. Zugleich schloss sich sich der Forderung des Bundes der Vertriebenen nach einem Gedenktag für die Opfer der Vertreibung an. Als Datum brachte sie den 5. August ins Gespräch - an diesem Datum war 1950 die Charta der Vertriebenen in Stuttgart unterzeichnet worden. Bayern stelle rund 300 000 Euro für die Errichtung eines sudetendeutschen Museums im Freistaat zur Verfügung. Mit diesem «finanziellen Startschuss» solle eine Konzeption für ein «lebendiges Museum» erarbeitet werden.
Das Treffen der Heimatvertriebenen steht unter dem Motto «Wir Sudetendeutsche - Brücke zur Heimat». Nach Angaben der Veranstalter sind rund 40 000 Besucher zu dem zweitägigen Treffen nach Augsburg gekommen, darunter auch eine jüdische Delegation aus Jerusalem. (dpa)

