netzeitung.dePolitiker wollen «Fett-Steuer» auf Naschzeug

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Schokolade bald nicht mehr bezahlbar? (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Schokolade bald nicht mehr bezahlbar?
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Süße und fettreiche Nahrungsmittel gelten als ungesund. Fachpolitiker der Großen Koalition schlagen deshalb vor solche Lebensmittel höher zu besteuern.

Mit einer «Fett-Steuer» auf ungesunde Lebensmittel und mehr Sportunterricht wollen Politiker und Mediziner dem Übergewicht vieler Deutscher zu Leibe rücken. Fachpolitiker von CDU und SPD wollen nach einem Bericht der «Bild am Sonntag» Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) dazu bewegen, den Mehrwertsteuersatz etwa für Süßigkeiten auf 19 Prozent zu erhöhen.

Bislang gilt für die meisten Lebensmittel der ermäßigte Satz von sieben Prozent. Der Jenaer Sportmediziner Holger Gabriel forderte, Kinder und Jugendliche müssten jeden Tag Sportunterricht haben. Fast zwei Millionen Kinder gelten in Deutschland als übergewichtig.

Laut einer Umfrage begrüßen 57 Prozent der Bundesbürger den Plan der Bundesregierung, die fast 40 Millionen Übergewichtigen in Deutschland zu mehr Bewegung und maßvollem Essen zu veranlassen. Die große Koalition will gemeinsam mit den Ländern einen Aktionsplan «Fit statt fett» entwickeln, der im Frühjahr 2008 vorliegen soll.

In der Umfrage des Instituts TNS Forschung im Auftrag des «Spiegel» gaben zudem 70 Prozent an, dass im Kampf gegen überflüssige Pfunde die Dicken selbst die Hauptverantwortung haben. Höhere Krankenkassen-Beiträge für Übergewichtige lehnt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ab. In einer Forsa-Umfrage im Auftrag der «Bild am Sonntag» sprachen sich 74 Prozent gegen einen solchen «Dicken-Malus» aus, nur knapp ein Viertel (23 Prozent) dafür.

Die ernährungspolitische Sprecherin der Unions-Fraktion, Ulla Heinen, sagte der «Bild am Sonntag»: «Dass auf Naschzeug nur sieben Prozent Mehrwertsteuer erhoben werden, ist nicht nachvollziehbar.» Die SPD-Gesundheitsexpertin Elvira Drobinski-Weiß sagte: «Ein ungesundes Essverhalten sollte auch finanziell unattraktiver gestaltet werden. Deswegen sollte für Knabberzeug und Süßigkeiten die volle Mehrwertsteuer gelten.»

Der FDP-Politiker Hans-Michael Goldmann signalisierte Unterstützung: «Es gibt keinen Grund, warum für Trüffel und Gänsestopfleber die Steuerermäßigung gilt, und für Mineralwasser nicht.» Dagegen sagte der parlamentarische Geschäftsführer der FDP- Bundestagsfraktion, Jürgen Koppelin: «Typisch Koalition: Zu jedem neuen Problem fallen den SPD- und Unionspolitikern nur neue Steuern ein.»

Der Münchner Ernährungsmediziner Professor Hans Hauner wies darauf hin, dass fettreiche Produkte häufig billiger als fettarme und frische Lebensmittel sind. Deswegen könnte eine «Fett-Steuer» Teil eines Gesamtkonzeptes gegen Übergewicht sein.

Der Sportmediziner Gabriel forderte, die Stundenzahl und Qualität des Sportunterrichts an den Schulen deutlich zu erhöhen. «Drei Stunden Schulsport sind ein Witz. Kinder und Jugendliche müssten jeden Tag Sport haben. Das wäre ein wirklicher Beitrag gegen eine der größten Gesundheitsgefahren unserer Zeit, den Bewegungsmangel», sagte der Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zudem müssten die Sportlehrer besser weitergebildet werden. (nz/dpa)