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Seehofer will Deutsche auf Trab bringen

09. Mai 2007 16:57
Alarmierende Ergebnisse: Deutsche sind die dicksten Europäer
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Mit einem Programm «Fit statt fett» will die Bundesregierung dem Volk an die Hüften. Mit Ländern und Gemeinden plant der Bund, den Fünf-Punkte-Plan gegen Übergewicht umzusetzen.

Jede Woche sind andere Eltern dran: Abwechselnd füllen sie den Gemüse- und Obstkorb im Kindergarten ihrer Sprösslinge. Mit den Betreuerinnen waschen, schälen und schnippeln die Zwei- bis Sechsjährigen sich ihre Vitaminmahlzeit zurecht. Schon früh sollen sie lernen, dass Frisches und Grünes täglich dazugehören soll. Sie lernen, Maß zu halten bei Zucker und Fett.

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Nicht überall war es in den letzten Jahren so, wie in diesem Kindergarten in Berlin. Laut einer Studie, die Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch in Berlin vorstellte, sind die Deutschen das Volk mit den meisten Dicken in Europa. 37 Millionen Erwachsene und zwei Millionen Kinder sind übergewichtig oder gar fettleibig - also grob gesagt jeder zweite. Folge sind Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Rückenbeschwerden. Die Folgekosten werden auf 70 Milliarden Euro geschätzt.

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«Rund 30 Prozent der Erwachsenen sind körperlich kaum aktiv», warnte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). «Auch Kinder bewegen sich heute viel weniger als früher.» Oft geht es auf dem Schulweg nur schnell zum Bäcker, um ein Frühstück zu haben. Mittagessen gibt’s an der Pommesbude, weil das Schulessen nicht schmeckt.

Fünf Punkte-Plan

Quer durch die Gesellschaftsgruppen zieht sich das Problem, ist Seehofer überzeugt. «Es gibt auch in der Schickimicki-Szene genug Übergewicht, nicht nur in der Leberkäs-Etage», sagte der Verbraucherminister. Bis 2020, so das vom Bundeskabinett gebilligte Programm, will die Regierung die Zunahme von Übergewicht bei Kindern stoppen.

Kinder und Jugendliche sollen möglichst früh mehr über gesündere Ernährung und Bewegung lernen, auch um Folgekosten von Krankheiten zu vermeiden. Die Kennzeichnung von Lebensmitteln soll klarer und verständlicher werden. Die Bundesbürger werden dazu angehalten, sich mehr zu bewegen. Das Essen in Schulen, Kantinen und Seniorenheimen soll ausgewogener werden. Seehofer betonte, man wolle keinen «Aktionismus für wenige Tage oder Wochen», sondern die Ziele nachhaltig, dauerhaft und hartnäckig verfolgen. Vielleicht gehören dann künftig auch Obst- und Gemüseteller zum festen Programm der Kindergärten, ohne dass die Eltern selbst dafür aufkommen müssen.

Konkrete Aussagen

Als Ziel genannt ist auch, die auf 70 Milliarden Euro geschätzten Folgekosten von Übergewicht erheblich zu senken. Das von Gesundheitsministein Ulla Schmidt (SPD) ausgegebene 20-Prozent-Ziel würde bedeuten, dass knapp acht Millionen Menschen schlanker werden müssten.

Schmidt warnte jedoch auch vor Gefahren der Magersucht und einem «Nachrennen von falschen Schönheitsidealen». Rund 30 Prozent der unter 18-jährigen Mädchen hätten Essstörungen.

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Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hält das Aktionsprogramm nicht für ausreichend. «Es fehlen alle konkreten Aussagen», sagte Verbandschefin Edda Müller der Nachrichtenagentur dpa. Eine Ausnahme sei nur das Vorhaben, sich auf EU-Ebene für eine verständliche Nährwertkennzeichnung einzusetzen. Auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast kritisierte den Aktionsplan als nicht weitgehend genug.

Ampel-Kennzeichnung

Die Ex-Verbraucherministerin forderte ein Werbeverbot für bestimmte Produkte und eine Kennzeichnung von Lebensmitteln in den Ampelfarben Rot, Gelb und Grün je nach Fett-, Zucker- und Salzgehalt. Seehofer warnte vor einer «Olympiade der Verbote» und meinte, damit entstünde der falsche Eindruck, rot gekennzeichnete Lebensmittel dürfe man gar nicht kaufen. Tatsächlich gelte aber: «Alles in Maßen.» Das gelte auch für Schokolade oder Schweinshaxe.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie unterstützte den Plan, warnte aber auch vor einer gesetzlichen Kennzeichnung. Die Hersteller sollten freiwillig auf allen Produkten deutlich sichtbar Angaben über Kalorien sowie Mengen an Fett, Kohlenhydraten und Eiweiß zu machen - pro Portion und je 100 Gramm. Die Krankenkasse AOK kündigte an, ab dem Spätsommer in 2000 Kindertagesstätten Kindern gesunde Ernährung und Bewegung altersgerecht vermitteln zu wollen. (nz/dpa/AP)

 
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