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Stiefel unter die Hoden geschoben

09. Mai 2007 13:24
Die Kaserne in Coesfeld
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Im Prozess um eine fingierte Geiselnahme bei der Bundeswehr hat ein Rekrut vor Gericht das Martyrium durch seine Ausbilder geschildert. Abbrechen wollte er die Übung nicht – er war Gruppenführer.

Ein früherer Rekrut eines Instandsetzungsbataillons hat im Münsteraner Bundeswehrprozess von Übergriffen auf Soldaten während einer Geiselnahmeübung berichtet. Man habe ihn mit Wasser nass gespritzt und ihm Sand unter die Feldbluse gekippt, sagte der Zeuge am Mittwoch vor dem Landgericht Münster.

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Er war einer von 82 Rekruten, die am 8. Juni 2004 während eines Feldmarsches überfallen wurden und auf einem Truppenübungsplatz an fingierten Verhören teilnahmen.

Auf dem Bauch liegend habe er einmal widersprochen, berichtete der 22-jährige Zeuge. Daraufhin habe ihm einer der Ausbilder «seinen Stiefel unter die Hoden geschoben und die Stiefelspitze angehoben. Das war zwar nicht unerträglich, aber doch schon sehr unangenehm». Zwar sei er darauf aufmerksam gemacht worden, dass er die Übung abbrechen könne, doch als Gruppenführer habe er das nicht gewollt.

«Keine Strickschule»

Abgesehen von der Übung habe er seine Ausbilder in Coesfeld als korrekt erlebt, sagte der Zeuge: «Es ging zwar streng zu, aber das war schließlich keine Strickschule.»

Nach seiner Grundausbildung in Coesfeld war er beim Heerestruppenkommando in Koblenz stationiert. Dort hatte sich der 22-Jährige an die Wehrdisziplinarbeauftragte gewandt, nachdem er erfuhr, dass Rekruten während späterer Geiselnahmeübungen mit Stromschlägen traktiert wurden.

Vor der 8. Großen Strafkammer des Münsteraner Landgerichts müssen sich der Kompaniechef und 14 Ausbilder des Instandsetzungsbataillons Coesfeld verantworten. Ihnen wird Misshandlung und Entwürdigung von 163 Rekruten bei insgesamt vier simulierten Geiselnahmen im Sommer 2004 vorgeworfen. Dabei sollen die Rekruten laut Anklage mit Stromschlägen misshandelt, nass gespritzt, getreten und geschlagen worden sein. (dpa)

 
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