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Fahnder jagen Pädophile in «Second Life»

08. Mai 2007 17:14
«Cyber-Cops» nehmen «Second Life» ins Visier
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Die Verbreitung von Kinderpornografie in der virtuellen Welt Second Life ist nach Einschätzung von Ermittlern vermutlich keine Einzelfall. Bayern dringt deshalb auf hartes Vorgehen gegen Pädophile.

In der virtuellen Welt «Second Life» sind zunehmend auch wirkliche Polizisten unterwegs. So nehmen die Netzwerkfahnder des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) - die so genannten Cyber-Cops - seit einiger Zeit stichprobenartig auch die Vorgänge in «Second Life» unter die Lupe. «Wenn Straftaten festgestellt werden, leiten wir umgehend Ermittlungen ein», sagte LKA-Sprecher Ludwig Waldinger am Dienstag in München.

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Die bayerische landesregierung dringt auf hartes Vorgehen gegen Kinderpornografie in der virtuellen Welt. «Wir müssen alles dafür tun, dass Pädophilen kein Raum gegeben wird, ihre Neigungen auszuleben», sagte Bayerns Sozialministerin Christa Stewens (CSU) am Dienstag in München. «Ich bin zutiefst erschüttert darüber, dass Spieler in der Internet-Parallelwelt «Second Life» virtuelle Kinder vergewaltigen oder gegen Geld sexuell missbrauchen können.» Die CSU-Politikerin warnte: «Virtueller Missbrauch von Kindern kann auch recht schnell zu realem Missbrauch führen.»

Das ARD-Politikmagazin «Report Mainz» hatte am Montag berichtet, dass ein Teilnehmer von «Second Life» mit kinderpornografischen Aufnahmen gehandelt haben soll.

Aufgrund der Recherchen des Magazins will die Staatsanwaltschaft Halle Ermittlungen gegen Unbekannt einleiten. «Dem werden wir nachgehen», sagte Oberstaatsanwalt Peter Vogt von der dort eingerichteten Zentralstelle gegen Kinderpornografie. Die Behörde in Halle will auch prüfen, ob Kinder und Jugendliche in «Second Life» an pornografische Darstellungen gelangen können. Auch damit könnte ein Straftat vorliegen. Offiziell dürfen Minderjährige an der virtuellen Welt von «Second Life» zwar nicht teilnehmen, eine wirksame Kontrolle gibt es dazu bisher aber nicht.

Die bayerischen Internet-Spezialisten seien bei ihren Streifzügen in «Second Life» bisher noch nicht auf Straftaten gestoßen, sagte Waldinger. Allerdings könnten die Beamten auch nur stichprobenartig vorgehen. Sie seien deshalb dankbar für Hinweise von Internet-Nutzern, denen etwas im Web seltsam vorkomme. Solche Hinweise könnten unter der Mail-Adresse baylka@t-online.de direkt an die Netzwerkfahndung beim Landeskriminalamt gegeben werden.

Bei einem Verdacht auf Straftaten im Internet könne die rechtliche Bewertung im Einzelfall schwierig sein, erläuterte Waldinger. «Wenn in virtuellen Welten wie «Second Life» sexuelle Handlungen betrachtet werden können, ist in jedem Fall zusammen mit der Staatsanwaltschaft einzeln zu prüfen, ob Straftaten vorliegen.» Wenn aber in solchen Web-Spielwelten kinderpornografische Bilder als Dokumente zum Beispiel an einer virtuellen Litfasssäule hinterlegt würden, hätten die Beamten greifbare Beweise für eine Straftat. «Das wären dann ja richtige Bilder», betonte Waldinger.

Die Verbreitung von Kinderpornografie in «Second Life» ist nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft vermutlich kein Einzelfall. «Ich gehe davon aus, dass nicht nur in einem Raum Kinderpornografie gehandelt wird», sagte Oberstaatsanwalt Vogt von der Zentralstelle gegen Kinderpornografie. Zudem seien in dem fraglichen Raum mehr als 100 User gewesen. Schon in der Vergangenheit habe es immer wieder Hinweise auf Kinderpornografie gegeben, aber keine Beweise. «Ich gehe davon aus, dass wir recht zügig den deutschen User herausfinden werden.»

Zu den Kinderpornografie-Vorwürfen sagte Vizepräsidentin Robin Harper von der «Second Life»-Betreiberfirma Linden Lab dem Magazin «Report Mainz»: «Wir werden herausfinden, wer dahinter steckt und dann die Polizei informieren.» Regine Derr vom Informationszentrum Kindesmisshandlung/Kindervernachlässigung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) in München forderte die Internet-Experten der Polizei in allen Bundesländern auf, auch «Second Life» mit Blick auf einschlägige Straftaten genau im Blick zu behalten. An die Betreiberfirma appellierte sie, geeignete Mechanismen zum Jugendschutz vorzusehen. So seien in «Second Life» auch Hilfsangebote für Opfer sexueller Gewalt sinnvoll. Solche Angebote gebe es auch auf anderen virtuellen Plattformen. (dpa)

 
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