Polizei streitet über den 1. Mai in Berlin
Ganz anders hört sich das dagegen bei der Gewerkschaft der Polizei an. Die warnte am Wochenende vor einer «deutlichen Aktivierung» von Linksextremisten. Hintergrund sei der bevorstehende G-8-Gipfel in Heiligendamm. Man befürchte, dass der 1. Mai von Globalisierungsgegnern als Testlauf für Proteste genutzt werde.
Bei Auseinandersetzungen mit Randalierern zum 1. Mai in Berliner Stadtteil Kreuzberg haben es die Ordnungshüter nach Einschätzung von Polizeipräsident Glietsch mittlerweile etwas leichter als früher. Grund seien nicht nur veränderte Strategien und Einsatztaktiken, sondern auch ein Mentalitätswandel in der Bevölkerung.
«Es war ja so, dass die Polizei zum Teil deshalb keine Erfolge erzielen konnte, weil sie die Menschen in Kreuzberg nicht auf ihrer Seite hatte. Wo sie in Erscheinung trat, war sie unerwünscht», sagte der Polizeipräsident. Wenn Gewalttätigkeiten ausbrachen, sei in der linken Szene stets behauptet worden, es sei nur dazu gekommen, weil die Polizei dies durch ihr Einschreiten ausgelöst habe.
Das hat sich aus seiner Sicht mittlerweile massiv verändert. «Die Menschen wollen die Krawalle nicht mehr, sie haben die Polizei als das erkannt, was sie immer sein wollte, nämlich als Ordnungsmacht, die das Recht der Bürger auf einen friedlichen 1. Mai schützt.» Diese veränderte Einstellung ermögliche eine erfolgreichere Strategie und Taktik als früher. «Wir können immer präsent sein und müssen nicht mehr befürchten, dass uns die Menschen für die Gewalt verantwortlich machen.»
Glietsch erinnerte daran, dass vor Polizisten flüchtende Steinewerfer in früheren Jahren nicht selten darauf vertrauen konnten, dass ihnen Anwohnern Haus- und Wohnungstüren öffnen. Als Massenphänomen gebe es so etwas nicht mehr, sagte der Polizeipräsident. «Da hat es einen Klimawechsel gegeben.»
Viele Vereine beteiligten sich auch in diesem Jahr am «Myfest», einem vom Bezirksamt zum 5. Mal Mai veranstalteten Volksfest, das Krawallmachern den Raum entziehen soll. «Dann sind auch viele Respektspersonen aus der türkischen und der arabischen Gemeinde auf den Straßen. Das hat eine positive Wirkung auf die jungen Migranten.»
Unterdessen gab die Polizei den Weg für eine Demonstration von G-8-Gegnern - darunter unter anderem das «Bündnis der Revolutionären 1. Mai Demonstration» - durch den Berliner Bezirk Kreuzberg frei. Die Route führt mitten durch das «MyFest». Das Bezirksamt Kreuzberg als offizieller Veranstalter des Festes hatte zusammen mit der Polizei zuvor Bedenken geäußert.
Allerdings, so Freiberg weiter, habe es in den letzten Jahren immer weniger Gewalttaten im Rahmen der Maifeiern gegeben. Freiberg sprach sich für intensive Gespräche mit allen gesellschaftlichen Gruppen in Berlin aus, wie es bereits in der Vergangenheit gehandhabt worden sei. «Dazu gehört natürlich auch der Kontakt mit der alternativen Szene in Berlin», so Freiberg. Am 1. Mai selbst müssten die Gewalttäter von allen, die friedlich feiern wollten, getrennt werden.

