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Ex-RAF-Terroristin fordert Ende des Schweigens

28. Apr 2007 14:28, ergänzt 14:37
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Die frühere RAF-Terroristin Maier-Witt empfindet Scham über die Taten der Roten Armee Fraktion. Ihre ehemaligen Mitstreiter rief sie auf, ebenfalls ihr Schweigen zu brechen.

Ex-Terroristin Silke Maier-Witt hat die früheren RAF-Mitglieder aufgefordert, offen über ihre Taten zu sprechen. «Es wäre vor allem für sie selber gut», sagte die heute 57-Jährige der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

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Maier-Witt äußerte auch Verständnis dafür, dass viele frühere Angehörige der Roten-Armee-Fraktion nicht noch einmal mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden wollten. Sie halte es aber nicht für richtig, fügte die heute für das Forum Ziviler Friedensdienste in Mazedonien arbeitende Psychologin hinzu.

Vorzeitig entlassen

Maier-Witt war an der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer 1977 beteiligt. Nach ihrer Verhaftung in der DDR hatte sie 1991 umfangreich ausgesagt, weshalb sie unter Berücksichtigung der Kronzeugenregelung nach fünf Jahren Haft vorzeitig entlassen worden war.

Sie wandte sich in dem Interview aber gegen Vorwürfe, eine Verräterin zu sein. «Für mich setzt Verräterin sein voraus, dass ich für richtig halte, was die RAF gemacht hat», sagte sie. Heute denke das wohl noch kaum einer aus der RAF. «Sich nach mehr als 20 Jahren Haft einzugestehen, dass man für nichts gemordet hat, ist natürlich schwer», räumte Maier-Witt ein.

Zypries glaubt nicht an Ende des Schweigens

Sie zeigte sich allerdings skeptisch, dass das Schweigekartell der RAF tatsächlich zusammenbrechen werde. «Das kann ich mir nicht vorstellen», räumte sie ein. Sie empfinde Scham über ihre Taten. Sie selbst habe aber keinen Mord begangen. «Ich habe wirklich niemanden umgebracht», versicherte die ehemalige Terroristin.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) geht ebenfalls nicht davon aus, dass die Exterroristen jetzt ihr Schweigegelübde über die damaligen Taten aufgeben. «Es ist schon oft versucht worden, sie zum Reden zu bringen, um insbesondere den Familien der Opfer bei der Verarbeitung dieses fürchterlichen Geschehens eine Hilfestellung zu geben. Ich muss gestehen, ich bin da wenig optimistisch, dass das passiert», sagte die Ministerin im Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB). Dass in mehreren Urteilen zu den damaligen Taten offen geblieben sei, was die genaue Beteiligung des einzelnen gewesen sei, habe sich die RAF mit ihrer Aussageverweigerung selbst zuzuschreiben.

Beckstein hofft auf neue Spuren

Zypries warnte davor, die Mordanschläge der RAF umzudeuten. «Wir dürfen nicht zulassen, dass diejenigen, die damals Täter waren, jetzt auf einmal als die Opfer dastehen.» Diese Gefahr sehe sie aber angesichts der derzeitigen Diskussion.

Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) hofft, durch das Ermittlungsverfahren gegen das Ex-RAF-Mitglied Stefan Wisniewski auf neue Spuren zu bislang unentdeckten Terroristen zu kommen. «Es sind Morde noch nicht aufgeklärt. Es gibt Spuren auf eine Person, die noch nicht erkannt ist. Das heißt, es laufen noch Mörder der RAF frei herum», sagte Beckstein am Freitagabend auf der «6. Elmshorner Runde» vor geladenen Gästen der «Elmshorner Nachrichten».

Keine Auswirkungen auf Fall Wisniewski

Die spannende Frage sei, ob das «Schweige-Kartell» der RAF halte oder bröckele, sagte Beckstein. In dem neuen Ermittlungsverfahren müssten möglicherweise Personen Aussagen machen, die bisher ein Aussageverweigerungsrecht hatten, dieses nach Verbüßung ihrer Freiheitsstrafe aber nicht mehr hätten.

Zypries geht indessen davon aus, dass es das - inzwischen bereits verbüßte - Strafmaß für den RAF-Terroristen Wisniewski nicht wesentlich ändern würde, wenn er 1977 die Todesschüsse auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback abgegeben habe. (AP)

 
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