Oettinger buhlt um «rechte Demokraten»
25.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
In einer im wesentlichen ruhig verlaufenen Debatte griff die SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Ute Vogt den Regierungschef mit deutlichen Worten an. Die «geschichtsverfälschende» Rede, in der Oettinger Filbinger als NS-Gegner gelobt hatte, sei «ein Akt beispielloser Geschichtsvergessenheit» gewesen und sein Verhalten danach «verheerend». Erst nach fünf Tagen habe er aufgrund des massiven Drucks von Bundeskanzlerin Angela Merkel «klein beigegeben». Oettinger habe sich als «kalter Technokrat» erwiesen und es «geschafft, schon nach kurzer Zeit als Ministerpräsident auf Abruf dazustehen».
Für die Grünen warf Fraktionschef Winfried Kretschmann der CDU «ungesunden Korpsgeist» vor und appellierte mit Nachdruck an sie, ihr Geschichtsbild kritisch zu überprüfen. Finanzstaatssekretär Gundolf Fleischer, der sich öffentlich kritisch über Oettingers Rückzug geäußert hatte, müsse entlassen werden, «falls er sich nicht überzeugen lässt».
Diese sei teilweise «auch schrill geführt» worden, hatte Mappus erklärt, dabei dulde das ernste Thema keine schrillen Töne. Wie Oettinger hob er hervor, dass die CDU ihre geistigen Wurzeln in der «ausdrücklichen Absage an alle totalitären Ideologien von rechts und von links» habe. Der «Versuch, die CDU in die rechte Schmuddelecke zu drängen», werde scheitern. Konstruierte und pauschale Vorwürfe an die Adresse der CDU Baden-Württembergs seien «vor allem Ausdruck eines Kalküls, das auf den kurzfristigen parteipolitischen Geländegewinn schielt». Jedenfalls solle man «so schnell wie möglich zur Sacharbeit zurückkehren».
Dieser Meinung schloss sich auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Ulrich Noll an. Unter die allgemeine Debatte, wie es möglich war, dass sich seinerzeit «fast ein ganzes Volk» in die Nazi-Diktatur habe einbinden lassen, dürfe jedoch kein Schlussstrich gezogen werden. (AP)

