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«Ohne meine Mutter hätte ich nicht überlebt»

19. Apr 2007 09:14
Murat Kurnaz
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Der ehemalige Guantánamo-Häftling Murat Kurnaz äußert sich erstmals über sein Leben nach der Haft und seine Jugend in Bremen. Zweimal habe er gedacht, er müsse sterben.

Der ehemalige Guantánamo-Häftling Murat Kurnaz hat erstmals über sein Leben nach der Haft und seine Jugend in Bremen berichtet. «Ich war so glücklich, endlich wieder schlafen zu können, dass ich kein Auge zumachen wollte», sagte Kurnaz der Wochenzeitung «Die Zeit».Erstmals hätten keine Wärter mehr gegen die Türen getreten, es sei nach Jahren wieder dunkel und still gewesen.

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In der Haft habe er Hunger gelitten. Die Wärter hätten sie oft mit «Frauengas besprüht». Kurnaz dürfte Pfefferspray meinen. Albträume hätten ihn nach seiner Rückkehr nicht geplagt, sagte er: «Ich schlafe gut. Ich konnte ja fünf Jahre kaum schlafen. Ich brauche keine Psychologen. Entweder du stirbst. Oder du stehst auf.» Zweimal habe er Angst gehabt zu sterben. Er sei an Ketten aufgehängt, mit Stromstößen traktiert worden. Großen Dank zollt Kurnaz seiner Mutter: «Ohne meine Mutter hätte ich nicht überlebt.»

In Bremen Ruhe gefunden

Kurnaz, der heute gerne mit einem Sportwagen und einem Motorrad durch Bremen fährt, erzählte der Wochenzeitung auch von seiner Schulzeit, an die er in Guantánamo habe denken müssen. Im Schulhof habe man «Apfelessen» gespielt. Ein Apfel schwamm im Wasser. Man musste den Kopf untertauchen und versuchen, davon abzubeißen. «Die Amerikaner haben mit mir auch Apfelessen gespielt - aber ohne Apfel.» Die Deutschen hätten kein Problem mit seinem Aussehen, sagte Kurnaz, eher die Türken. Lob zollt Kurnaz seinem Wohnort Bremen: «Hier finde ich wieder meinen inneren Frieden.»

Murat Kurnaz offenbart auch, dass er eine Frau sucht. «Als Muslim darf ich auch eine Christin oder eine Jüdin heiraten. Oder eine Russin. Sie muss mich nur verstehen. Ich bin ein junger Mann aus Deutschland, der nur versucht, nach seinem Glauben zu leben, nichts anderes.» Der Prophet Mohammed habe ihm in Guantánamo Halt gegeben, der Bart sei die einzige Freiheit gewesen. Deutschland sei weltweit der beste Ort für Muslime: «Hier geht es mir gut». (nz)

 
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