Auch der CSU-Rechtsexperte Norbert Geis zeigte sich besorgt über das konservatives Profil. Ziel von CDU und CSU müssten Wahlergebnisse von bundesweit über 40 Prozent sein. Deshalb dürfe die Union nicht vergessen, dass es eine «sehr starke konservative Strömung in der Bevölkerung» gebe. «Insofern war es nicht ganz glücklich, dass Herr Oettinger öffentlich so einen Kniefall machen musste.» Vielmehr sollten solche Fragen parteiintern geregelt werden. Oettinger hatte bei der Trauerfeier am vergangenen Mittwoch in Freiburg gesagt, der gestorbene Ex-Ministerpräsident des Landes, Hans Filbinger (CDU), sei ein «Gegner des NS-Regimes» gewesen. Nach massivem Druck auch aus der eigenen Partei und der Rüge von Kanzlerin Angela Merkel hatte sich Oettinger von dieser Einstufung Filbingers, der 1945 als NS-Marinerichter mit Todesurteilen gegen Deserteure befasst war, distanziert. Am Dienstag veröffentlichte das Bundesarchiv dann die NSDAP-Beitrittserklärung Filbingers. (nz)