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Presseschau: Recht auf eigene Knarre wird bleiben

18. Apr 2007 11:17
Waffen (Archivbild)
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Hätten strengere Waffengesetze das Massaker von Blacksburg verhindern können? Möglicherweise, meinen deutsche Leitartikler. Nur täten sich die USA bei der Reformierung des Waffenrechts schwer.

«Leipziger Volkszeitung»: Kaum Druck auf Bush

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein derartiges Drama Entsetzen und Ratlosigkeit hervorruft. Im konkreten Fall scheint die Lösung auf der Hand zu liegen: Wenn die USA die Rechte der mächtigen nationalen Schusswaffenvereinigung beschnitten, könnten Amokläufe wie jener von Blacksburg künftig verhindert werden. Allerdings tun sich die USA mit einer Reformierung des Waffenrechts schwer. Dies liegt auch daran, dass es traditionell aus den Zeiten des Bürgerkriegs eine ganz andere Wertigkeit besitzt als in Europa. Deshalb wird sich der innenpolitische Druck auf Präsident Bush in dieser Frage in Grenzen halten.

«Frankfurter Rundschau»: Recht auf die eigene Knarre

Amokläufer sind häufig zur Selbsttötung entschlossene Mörder. Lassen sie sich aufhalten, wenn ihnen der Zugang zu Schusswaffen entschieden erschwert wird? Ob der Glaube an die Wirksamkeit solcher Vorschriften beispielsweise in Deutschland stärker verbreitet ist als in den USA, mag dahingestellt sein. Darauf kommt es auch nicht an. Man rührt in Deutschland gerade nicht an ein Tabu, wenn man die Bewaffnung der Zivilgesellschaft zu reduzieren sucht, darin liegt der wesentliche Unterschied.

In den USA verteidigen viele Menschen das Recht auf die eigene Knarre als verfassungsgemäß. Damit verbrämen sie ein tief sitzendes Misstrauen gegen den Staat im Allgemeinen, die Regierung in Washington im Besonderen und vor allem auch gegen das Gewaltmonopol des Staates.

«FAZ»: Laxe Bestimmungen

Natürlich hebt jetzt sofort die Debatte über eine ganz andere Schuld und die Konsequenzen an; das muss es sogar: Hätten strengere Waffengesetze das Massaker vom Montag verhindern können? Tatsächlich sind die entsprechenden Bestimmungen im Bundesstaat Virginia besonders lax. Die Befürworter eines Rechts auf Schusswaffen berufen sich gerne auf den zweiten Zusatz zur Verfassung und auf die Geschichte, und zwar mit Erfolg. Nichtamerikanern fällt es schwer, die von vielen Millionen Amerikanern verinnerlichte und von mächtigen politischen Kräften gepflegte Mythologie zu verstehen. Gerade nach einer Tat wie der vom Montag wirkt sie wie eine unmoralische Absurdität. Aber wäre diese Tat durch einen erschwerten Zugang zu Schusswaffen zu verhindern gewesen? Erfurt liegt schließlich nicht in Virginia, sondern in Thüringen.

«Tageszeitung»: Überkommene Denkmuster

Kaum ist das spontane Entsetzen überwunden, drängt sich die nahe liegenden Frage auf: Warum gibt es keine effektive Waffenkontrolle? Doch das Recht auf Waffenbesitz ist historisch gewachsen und eng verknüpft mit der Eroberung des Kontinents. Das macht eine rationale Diskussion darüber nicht einfach. Der Amoklauf von Blacksburg ist ein erneuter Warnruf an die US-Gesellschaft, sich endlich von überkommenen Denkmustern zu trennen. Tut sie das nicht, muss sie lernen, auch in Zukunft mit solchen Massakern zu leben.

«Kölner Stadt-Anzeiger»: Waffengewalt als Leitmotiv

Waffengewalt ist Teil der amerikanischen Gesellschaft, und sie ist dabei nicht durchweg negativ besetzt. Im Gegenteil, die Eltern sind stolz, wenn Sohn oder Tochter Soldat werden, der gemeinsame Jagdausflug ist vielerorts Familientradition und Tarnkleidung gibt es schon für Kindergartenkinder. Politisch und popkulturell setzt sich die Waffengewalt als Leitmotiv fort: in den endlosen Schieß- und Gewaltorgien Hollywoods und in der Außenpolitik, die Krieg als normales Mittel der Politik begreift.

 
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