Schönbohm empört über Kanzlerin Merkel
«Unsere Leute wollen sehen, ob wir auch noch zusammenstehen, wenn uns der Wind einmal stark ins Gesicht weht.» Es sei für ihn «nicht akzeptabel, wie jetzt versucht wird, Oettinger in die rechte Ecke zu drängen», so Schönbohm.
Es gehe darum, «gemeinsam aus so einem Problem herauszukommen und nicht einer für sich allein», so Schönbohm. «Es ist für mich nicht akzeptabel, wie jetzt versucht wird, Oettinger in die rechte Ecke zu drängen. Er gehört da nicht hin. Die Bundeskanzlerin muss versuchen, Schaden von der Bundesrepublik Deutschland abzuwenden. Und der Ministerpräsident von Baden-Württemberg muss Schaden von seinem Bundesland abwenden. Da hat man zusammenzuarbeiten und darf nicht durch einen öffentlichen Rüffel die Angelegenheit weiter anheizen. Ein Rüffel aus dem eigenen Lager ist viel brisanter als einer vom politischen Gegner. Das sollte man wissen», ermahnte Schönbohm Merkel.
Sollte jemand aus der Union versuchen, mit einer NS-Verharmlosung bei Wählern punkten zu wollen, «dann hätte das ganz sicher keinen Erfolg», meinte Schönbohm. «Aber natürlich sieht auch die 'konservative Klientel', wie wir in der Union miteinander umgehen. Die öffentliche Diskussion über Frau Merkels Verhältnis zu Herrn Oettinger oder auch zu anderen Personen schadet uns.»
Keiner verlange von Frau Merkel intime Freundschaften zu führenden CDU-Funktionsträgern, meinte Schönbohm mit Blick auf den Zusammenhalt an der CDU-Spitze rund um Frau Merkel. «Entscheidend ist das gemeinsame Vertreten politischer Grundüberzeugungen und die Entwicklung einer Politik aus unseren programmatischen Grundlagen heraus. Gerade bei Schwierigkeiten müssen die Gemeinsamkeiten und der Zusammenhalt deutlich werden.» Das erwarteten die CDU-Mitglieder. «Da ist die SPD trotz der schlechten Umfragewerte in vielen Bereichen sehr viel geschlossener. Das kann man sich vielleicht mal abgucken.»
Auf die Frage, ob Oettinger diese Grenzen mit seiner Filbinger-Trauerrede überschritten habe, sagte Schönbohm: «Wenn man die öffentliche Reaktion sieht, kann man zu dem Urteil kommen, dass die Grenze überschritten ist. Aber es ist vielleicht richtig: Die Sache ist zu kompliziert, um sie differenziert zu betrachten. Herr Oettinger wollte sie mit Sicherheit nicht überschreiten. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Aber in der Wirkung hat er nicht erreicht, was er erreichen wollte.» (dpa)

