«Motherfucker»-Video für Berlin Einzelfall
16. Apr 2007 17:17
 |  Soldaten der Bundeswehr | Foto: dpa |
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Der jüngste rassistische Vorfall bei der Bundeswehr sorgt in Deutschland für Empörung. Solche Aktionen sind für das Verteidigungsministerium kein speziell deutsches Problem.
Das Verteidigungsministerium hat das in den USA mit Empörung aufgenommene rassistische Video aus der Bundeswehr als «absolut inakzeptabel» verurteilt. Nun würden dienstrechtliche Maßnahmen gegen den betroffenen Ausbilder geprüft, sagte ein Ministeriumssprecher. Er sprach allerdings zugleich von einem «isolierten Einzelfall». Solche Zwischenfälle seien kein speziell deutsches Problem.
Das Video zeigt einen Ausbilder, der Rekruten bei einer Schießübung auffordert, sich als Ziel «Afroamerikaner» in der Bronx in New York vorzustellen und diese als «Motherfucker» zu beschimpfen. Ein solches Verhalten widerspreche den Maßstäben der Ausbildung und der inneren Führung der Bundeswehr, sagte der Ministeriumssprecher. Näher könne man sich derzeit zu dem noch offenen Verfahren nicht äußern. Dienstrechtliche Maßnahmen müssten genau geprüft werden.
Das Video stammt vom Juli 2006 und ist nach Angaben des Sprechers intern bereits seit Januar bekannt. Er wollte sich nicht festlegen, wie lange die Prüfung dienstrechtlicher Konsequenzen noch dauern werde - womöglich einige Wochen. Der Ausbilder wurde seit dem Vorfall im Juli 2006 aus der Feldwebel-Schmid-Kaserne in Rendsburg an einen anderen Standort versetzt, tut aber nach Auskunft der Bundeswehr weiter regulär seinen Dienst.
Einzelfall
Das Video sorgt vor allem in den USA für große Aufregung. Der Bürgermeister des New Yorker Stadtteils Bronx, Adolfo Carrion, hatte eine offizielle Entschuldigung gefordert. Dies sei das Mindeste, was die schwarzen Einwohner der Bronx erwarten könnten. Auch deutsche Politiker hatten sich am Wochenende bestürzt über den Vorfall gezeigt. Der Ministeriale sprach in einem Interview vom Fernsehdienst der Nachrichtenagentur AP von einem Einzelfall. «In jeder Gesellschaft - in Deutschland, in Frankreich, in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten - passiert so etwas, aber ich glaube, das ist ein isolierter Fall». Die 250.000 Soldaten der Bundeswehr spiegelten die Gesellschaft wider. «Ich glaube, das ist nicht ein speziell deutsches Problem.» Insgesamt sei die 50jährige Geschichte der Bundeswehr eine Erfolgsgeschichte. «Es ist wirklich selten, dass so etwas passiert», sagte Raabe in dem auf Englisch geführten Interview.
Konsequenzen
Widerspruch kam von der Linkspartei. Nach Ansicht des verteidigungspolitischen Sprechers der Linksfraktion im Bundestag, Paul Schäfer, ist das Video kein Einzelfall. Defizite in Innerer Führung und bei der Auswahl der Ausbilder seien seit Jahren bekannt, sagte Schäfer. Notwendig sei eine Verbesserung der parlamentarischen Kontrolle der Bundeswehr.Der Bundeswehrverband forderte dienstrechtliche und gegebenenfalls auch strafrechtliche Konsequenzen, sollte sich der Fall bestätigen. Das Vorgehen des Ausbilders widerspreche allen Prinzipien der Ausbildung, insbesondere aber denen der Inneren Führung und sei zu verurteilen, sagte der stellvertretende Verbandsvorsitzende Ulrich Kirsch. (nz/AP)