netzeitung.deRekruten-Ausbildung gerät erneut ins Zwielicht

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Soldaten der Bundeswehr (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Soldaten der Bundeswehr
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In Münster läuft noch der Prozess wegen Misshandlung von Untergebenen - da wurde erneut zweifelhaftes Verhalten eines Bundeswehr-Ausbilders bekannt. Bei einer Schießübung fielen rassistische Sprüche.

Ein neues Video bringt die Bundeswehr erneut in Verruf. Wie das Magazin «Stern» in seiner Online-Ausgabe berichtet, kam es bei der Ausbildung von Soldaten wieder zu einer Entgleisung: Der Film zeige einen Grundwehrdienstleistenden bei einer Schießübung. Der Vorgesetzte befehle ihm, beim Feuern an «Afroamerikaner» zu denken und bei jedem Schuss laut «Motherfucker» zu rufen.

Der Vorfall soll sich dem Bericht zufolge im Juli 2006 in der Feldwebel- Schmid-Kaserne im schleswig-holsteinischen Rendsburg ereignet haben. Ein Sprecher des zuständigen Fernmeldebataillons bestätigte dem Magazin den Vorfall. Der verantwortliche Ausbilder sei versetzt worden. Der Sprecher betonte, es handele sich um einen Einzelfall.

Kritik an Menschenführung beim Bund
Ein Sprecher des zuständigen Presseinformationszentrums der Streitkräfte-Basis in Bonn sagte der dpa, es werde derzeit geprüft, ob gegen zwei Ausbilder dienstrechtliche Maßnahmen ergriffen werden müssten. Der Vorfall sei erst Ende Januar bekannt geworden, die Prüfungen seien daher noch nicht abgeschlossen. Zu Einzelheiten wollte sich der Sprecher nicht äußern. Das rund eineinhalb Minuten lange Video wurde vom «Stern» im Internet entdeckt.

Vor einem Gericht in Münster müssen sich derzeit 18 frühere Bundeswehr-Ausbilder wegen Misshandlung Untergebener verantworten. Einer der Angeklagten hatte in dem Prozess vor zwei Wochen zugegeben, einem Rekruten einen Stromschlag versetzt zu haben. Geschehen sei dies während eines Verhörs nach einer simulierten Geiselnahme im Keller der Kaserne in Coesfeld.

Heftige Kritik an der Ausbildung und Menschenführung der Bundeswehr übte Jürgen Rose, Oberstleutnant und Vorstandsmitglied des «Darmstädter Signals», einer Vereinigung kritischer Soldaten. «Diese Skandale sind keine Einzelfälle. Sie passieren in der Bundeswehr zwar nicht alltäglich, aber zumindest alljährlich», sagte Rose dem «Stern». Er sehe eine zunehmende Tendenz, dass die jungen Rekruten in der Grundausbildung für einen archaischen Kampf ausgebildet werden. (dpa/AP)