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Schäubles Plänen droht Verfassungsklage

13. Apr 2007 18:38
Zugriff auf das Foto: Schäuble will es schneller
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Vernetzen und Speichern, Polizei-Zugriff auf Passfotos und Fingerabdrücke – das bringe nicht mehr Sicherheit, sondern schwäche das Vertrauen in den Staat. Nun droht jemand mit dem Rechtsweg.

Den Plänen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) für verschärfte Sicherheitsgesetze droht jetzt eine Verfassungsklage. Er werde Verfassungsbeschwerde einlegen, sollte es zur so genannten Vorratsdatenspeicherung kommen, sagte der frühere nordrhein-westfälische Innenminister Burkhard Hirsch (FDP) dem Hessischen Rundfunk am Freitag. «Wenn der Staat dazu übergeht, jeden Bürger wie einen möglichen Straftäter zu behandeln, dann wird sich der Bürger fragen, ob er diesem Staat noch vertrauen kann.»

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  • Auch innerhalb der Regierung steht Schäuble mit seinen geplanten Sicherheitsgesetzen ziemlich allein da. Koalitionspartner SPD und die Oppositionsparteien lehnten einen Zugriff der Polizei auf alle auf dem Chip der neuen Reisepässe gespeicherten Daten ab. «Das wird es mit uns nicht geben, das ist ganz klar», sagte der rechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Uwe Benneter, dem Sender n-tv.

    Die EU-Verordnung über biometrische Daten in Passdokumenten will Benneter schon umsetzen. Dazu gehöre aber nicht, dass das Passregister zu einer Fahndungsdatei ausgeweitet oder als allgemeine Auskunftsdatei genutzt werde. In der «Berliner Zeitung» schränkte Benneter ein: «Nur in Ausnahmefällen dürfen Auskünfte erteilt werden.» Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz hatte dies nur für besondere Eilfälle für statthaft erklärt. Derzeit werden laut Benneter die Fingerabdrücke vernichtet, nachdem sie im Pass-Chip gespeichert seien. Eine Fingerabdruck-Datei solle es nicht geben.

    Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) forderte die SPD zu einem Kompromiss «nahe an unserer Linie» auf. «Jedem muss klar sein, dass wir eine schnelle Einigung brauchen», sagte er der «Leipziger Volkszeitung». «Fotos und Fingerabdrücke, die sowieso zur Erstellung des Passes notwendig sind, können auch gespeichert werden. Bilder müssen für polizeiliche Ermittlungen verwendbar sein, Fingerabdrücke sollten sich allerdings auf Schwerkriminalität beschränken.» Es sei nicht vorgesehen und auch nicht sinnvoll, die Fingerabdrücke in einer einheitlichen Datei zusammenzuführen.

    Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach, kann die Aufregung in der SPD nicht nachvollziehen. «Warum soll man die Bilder zur Ermittlung von Rasern verwenden dürfen, aber nicht zur Aufklärung von Straftaten?», fragte der CDU-Politiker im «Tagesspiegel».

    Volk von Verdächtigen

    Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) argumentierte, die Polizei könne bereits jederzeit digitale Passfotos aus der Datei der Meldebehörden anfordern. Durch den Online-Zugriff werde lediglich eine technische Hürde abgebaut.

    Die Oppositionsparteien machen einmütig Front gegen die Pläne. FDP-Fraktionschef Guido Westerwelle erklärte, wer Fotos und Fingerabdrücke aller Bürger der Polizei und den Ordnungsämtern übergebe, «der ist auf dem Weg zum Überwachungsstaat.» Die innenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Gisela Piltz, warnte im SWR vor einem «gläsernen Bürger». Und die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte im NDR, es müsse Schluss sein mit «dieser überbordenden Datensammelflut». Sonst würde sich der demokratische Rechtsstaat in sein Gegenteil verkehren.

    Der stellvertretende Chef der Grünen-Fraktion, Christian Ströbele, äußerte verfassungsrechtliche Bedenken und beklagte in der «Neuen Presse» in Hannover, Schäuble wolle «ein Volk von Verdächtigen zu kreieren». Die Grünen unterstützen die von Bürgerrechtsorganisationen geplante Demonstration am Samstag in Frankfurt am Main.

    Linkspartei-Vize Katina Schubert kritisierte, ein «Vollzugriff der Polizei auf Passbilder und Fingerabdrücke» sei ein großer Schritt in Richtung Überwachungsstaat. «Eine Bewegung in Richtung 1984 wird es mit der Linken nicht geben», betonte sie in Anspielung auf den Roman von George Orwell «1984». (nz/AP)

     
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