Schäubles Plänen droht Verfassungsklage
Die EU-Verordnung über biometrische Daten in Passdokumenten will Benneter schon umsetzen. Dazu gehöre aber nicht, dass das Passregister zu einer Fahndungsdatei ausgeweitet oder als allgemeine Auskunftsdatei genutzt werde. In der «Berliner Zeitung» schränkte Benneter ein: «Nur in Ausnahmefällen dürfen Auskünfte erteilt werden.» Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz hatte dies nur für besondere Eilfälle für statthaft erklärt. Derzeit werden laut Benneter die Fingerabdrücke vernichtet, nachdem sie im Pass-Chip gespeichert seien. Eine Fingerabdruck-Datei solle es nicht geben.
Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach, kann die Aufregung in der SPD nicht nachvollziehen. «Warum soll man die Bilder zur Ermittlung von Rasern verwenden dürfen, aber nicht zur Aufklärung von Straftaten?», fragte der CDU-Politiker im «Tagesspiegel».
Die Oppositionsparteien machen einmütig Front gegen die Pläne. FDP-Fraktionschef Guido Westerwelle erklärte, wer Fotos und Fingerabdrücke aller Bürger der Polizei und den Ordnungsämtern übergebe, «der ist auf dem Weg zum Überwachungsstaat.» Die innenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Gisela Piltz, warnte im SWR vor einem «gläsernen Bürger». Und die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte im NDR, es müsse Schluss sein mit «dieser überbordenden Datensammelflut». Sonst würde sich der demokratische Rechtsstaat in sein Gegenteil verkehren.
Der stellvertretende Chef der Grünen-Fraktion, Christian Ströbele, äußerte verfassungsrechtliche Bedenken und beklagte in der «Neuen Presse» in Hannover, Schäuble wolle «ein Volk von Verdächtigen zu kreieren». Die Grünen unterstützen die von Bürgerrechtsorganisationen geplante Demonstration am Samstag in Frankfurt am Main.
Linkspartei-Vize Katina Schubert kritisierte, ein «Vollzugriff der Polizei auf Passbilder und Fingerabdrücke» sei ein großer Schritt in Richtung Überwachungsstaat. «Eine Bewegung in Richtung 1984 wird es mit der Linken nicht geben», betonte sie in Anspielung auf den Roman von George Orwell «1984». (nz/AP)

