Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) argumentierte, die Polizei könne bereits jederzeit digitale Passfotos aus der Datei der Meldebehörden anfordern. Durch den Online-Zugriff werde lediglich eine technische Hürde abgebaut.Die Oppositionsparteien machen einmütig Front gegen die Pläne. FDP-Fraktionschef Guido Westerwelle erklärte, wer Fotos und Fingerabdrücke aller Bürger der Polizei und den Ordnungsämtern übergebe, «der ist auf dem Weg zum Überwachungsstaat.» Die innenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Gisela Piltz, warnte im SWR vor einem «gläsernen Bürger». Und die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte im NDR, es müsse Schluss sein mit «dieser überbordenden Datensammelflut». Sonst würde sich der demokratische Rechtsstaat in sein Gegenteil verkehren.
Der stellvertretende Chef der Grünen-Fraktion, Christian Ströbele, äußerte verfassungsrechtliche Bedenken und beklagte in der «Neuen Presse» in Hannover, Schäuble wolle «ein Volk von Verdächtigen zu kreieren». Die Grünen unterstützen die von Bürgerrechtsorganisationen geplante Demonstration am Samstag in Frankfurt am Main.
Linkspartei-Vize Katina Schubert kritisierte, ein «Vollzugriff der Polizei auf Passbilder und Fingerabdrücke» sei ein großer Schritt in Richtung Überwachungsstaat. «Eine Bewegung in Richtung 1984 wird es mit der Linken nicht geben», betonte sie in Anspielung auf den Roman von George Orwell «1984». (nz/AP)