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Käßmann attackiert Mixa im Kita-Streit

10. Apr 2007 10:57
'Gebärmaschinen'-Kritiker Mixa am Ort des Geschehens
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Was ist wichtiger: Das Bild der Frau oder das Wohl der Kinder? Die Katholiken suchen eine gemeinsame Position und eine Spitzen-Protestantin sorgt sich um das verkappte Expertentum der Bischöfe.

Die hannoversche evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann hat die erneute Kritik des katholischen Bischofs von Augsburg, Walter Mixa, am geplanten Ausbau der Krippenbetreuung als ignorant und beleidigend zurückgewiesen. «Bei dieser Debatte geht es doch ganz offensichtlich gar nicht mehr um das Wohl der Kinder, sondern um das Festhalten alter Rollenbilder», sagte Käßmann dem «Kölner Stadt-Anzeiger».

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Mixa hatte vor Ostern die außerfamiliäre Betreuung von Kindern unter zwei Jahren als «Wiederkehr der DDR-Verhältnisse» bezeichnet – in dem sozialistischen Staat war der Berufswiedereinstieg für junge Mütter nie ein Problem – in der Mangelwirtschaft zumindest Betreuungsplätze stets reichlich vorhanden. Die Pläne der Familienministerin für mehr Krippenplätze seien als «gesellschaftspolitisch völlig verfehlt und in hohem Maße ideologiegeleitet». Ursula von der Leyen (CDU) bediene veraltete feministische Forderungen, wenn sie die Berufstätigkeit von Müttern forciere.

Vor wenigen Wochen erst hatte der Bischof für herbe Kritik gesorgt, als er von der Leyen vorwarf, sie degradiere mit ihrer Politik Frauen zu Gebärmaschinen. Zuvor hatte sie ihre Absicht bekräftigt, die Zahl der Betreuungsplätze für Kleinkinder auf 750.000 verdreifachen zu wollen. Länder und Kommunen hatten sie in ihrer Absicht unterstützt.

Keine Vorstellung

Käßmann ist nun «schlicht sprachlos, wer nun alles zum Erziehungsexperten wird». Wer die jetzige Diskussion um Betreuung von Kleinkindern mit dem DDR-Argument belaste, habe zum einen keine Vorstellung von der Realität von Müttern im heutigen Deutschland und beleidige zum anderen die Erzieherinnen in den Betreuungseinrichtungen.

Von der Leyen blieb ein Finanzierungskonzept für ihre Pläne bisher schuldig. In der Debatte um die Milliardenkosten versagte selbst die eigene Partei der Ministerin die Unterstützung: Die Union will erst den Bedarf ermitteln, bevor sie weiter entscheidet. Zudem will sie zunächst das von der rot-grünen Bundesregierung beschlossene Tagesstätten-Betreuungsgesetz umsetzen, das einen Ausbau auf 500.000 Kleinkinder-Plätze vorsieht.

Arbeitende Frauen

Bischöfin Käßmann will Kinder früh in öffentliche Betreuung gegeben wissen. Erkenntnisse aus der Elementarpädagogik zeigten, dass die Förderung des Lern- und Sozialverhaltens von Kleinkindern deutlich früher beginnen müsse, als in Deutschland bisher praktiziert. Dies werde von Kritikern wie Mixa ebenso ignoriert wie die notorische Vernachlässigung von Kindern in vielen sozial schwachen Familien.

Unterstützung erhielt Mixa vom obersten Abt des Benediktinerordens, Notker Wolf, der vor DDR-Verhältnissen warnte. Man dürfe die Familie nicht in Frage stellen. «Offenbar zählt eine Frau nur etwas, wenn sie wie ein Mann arbeitet und nicht wie eine Mutter für ihr Kind sorgt.»

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, warnte dagegen im Deutschlandfunk vor «falschen Tönen». Die katholische Kirche sei sich sehr wohl bewusst, dass viele Familien, in denen beide Eltern berufstätig seien, auf einen Betreuungsplatz angewiesen seien. Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen plädierte für Wahlfreiheit. Eltern müssen in die Lage versetzt werden, dass sie selbst entscheiden können und auch unter finanziell gleichen Gesichtspunkten, wie sie ihre Kinder erziehen können«, sagte Thissen vor Beginn der Frühjahrsvollversammlung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz im ZDF». «Da ist das Elternrecht wichtig.» Die Politik dürfe keine der Betreuungsform bevorzugen. «Da sind wir hellwach, dass da keine Manipulationen vorkommen.» (nz/dpa/AP)

 
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