Filbinger räumte seinen Stuhl. Am 30. August 1978 wurde Lothar Späth Regierungschef. Er löste Filbinger später auch im Amt des CDU-Landesvorsitzenden ab. Doch wurde der geschasste Regierungschef noch Ehrenvorsitzender der baden-württembergischen CDU. Vor dem Wirbel um seine Vergangenheit war Filbinger durchaus populär. Er galt vielen als erster Ministerpräsident im «Ländle», der das Attribut eines «Landesvaters» verdiente. Der Politiker kämpfte für den Südweststaat. Er setzte auch auf die Atomenergie. Doch warfen ihm Kritiker vor, er habe die Lage falsch eingeschätzt, als es im südbadischen Wyhl massiven Widerstand gegen den Bau eines Atommeilers gab.
Auf Bundesebene brachte es Filbinger bis zum stellvertretenden Parteivorsitzenden der CDU. Das von ihm später ins Leben gerufene Studienzentrum Weikersheim e.V., das Vorträge organisiert und Veranstaltungen ausrichtet, hat sich eine geistige und moralische Erneuerung in der Politik zur Aufgabe gemacht.
Filbinger war 18 Jahre Präsident von Weikersheim, das von Kritikern aber immer wieder als «rechtsradikale Kaderschmiede» bezeichnet wurde. Seine Nachfolger im Amt haben die Einrichtung in ruhigeres Fahrwasser geführt. (Von Oliver Schmale, AP)