Neonazis schlagen immer häufiger zu
26.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Die in den 18.000 Delikten enthaltenen rechten Gewalttaten nahmen ebenfalls zu. Bundesweit registrierte die Polizei einen Zuwachs um acht Prozent auf etwa 1100 einschlägige Delikte (2005: 1034, 2004: 832). In den Antworten auf die Anfragen der Linkspartei hatte sich sogar ein Anstieg um 20 Prozent abgezeichnet. Bei den Gewaltdelikten habe die Polizei weniger Nachmeldungen geliefert, hieß es in
Sicherheitskreisen.
Zugenommen haben auch die linken Straftaten. Die Landeskriminalämter registrierten einen Anstieg um neun Prozent auf etwa 5300 Delikte (2005: 4898, 2004: 3521). Bei den in der Gesamtzahl enthaltenen linken Gewalttaten zeichnet sich jedoch ein leichter Rückgang um drei Prozent auf ungefähr 1200 Delikte ab (2005: 1240, 2004: 789). Angesichts der angekündigten Proteste gegen den G-8-Gipfel im Juni in Heiligendamm sei aber für 2007 wieder eine Zunahme linker Gewalttaten zu erwarten, sagte ein Experte. Wahrscheinlich würden aber die linken Delikte weiter deutlich unter der Zahl der rechten Straftaten bleiben.
Auf den enormen Anstieg der rechten Kriminalität reagierten Politiker mit Appellen zu stärkerer Gegenwehr. Die Zahlen seien erschreckend, sagte Sebastian Edathy (SPD), Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag. Er bekräftigte seine Forderung nach einem «Demokratiegipfel», bei dem Repräsentanten des Staates, Parlamentarier sowie Vertreter großer gesellschaftlicher Einrichtungen ein Konzept zur Bekämpfung des Rechtsextremismus erarbeiten sollten.
Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linkspartei) sprach von einer dramatischen Entwicklung. Jetzt müssten erst recht die Initiativen der Zivilgesellschaft, wie Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt, gestärkt werden. Außerdem sei eine unabhängige Stelle zur Beobachtung des Rechtsextremismus notwendig. Grünen-Chefin Claudia Roth warb für eine «Demokratieoffensive», die in Schulen und Ausbildungsstätten ansetzen müsse. (nz)

