23. Mrz 2007 13:17
Die EU feiert ihren fünfzigsten Geburtstag.
über zornige Schäfer, EU-Kommissare im Praktikum und mehrsprachige Marmeladen-Etiketten.
Unter der Regelungswut der Zentrale leiden auch die Schäfer. Setzt Deutschland die Brüsseler Pläne um, muss Züchter Michael Dreißig seinen Tieren künftig von Geburt drei Ohrmarken einnieten. Zwei gelbe, identische, «für Brüssel». Eine dritte, weiße, für ihn, damit auch er selbst das Tier von den anderen unterscheiden kann. Doch was die Hörmuschel eines Rindes problemlos erträgt, sei für das Schaf «Tierquälerei», schimpft Dreißig. Ein Schafohr ist dünn, und Plastik hat scharfe Kanten. Um ihrem Unmut darüber Luft zu machen, zogen Dreißig und rund 500 weitere Schafzüchter diese Woche vor das Brandenburger Tor in Berlin. In einem provisorischen Gatter kuschelten sich 30 Schafe aneinander. Jedes drei Marken im Ohr. Derlei Streitfälle lagen 1957 noch fern, als Kanzler Konrad Adenauer und die Staatslenker von Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg am 25. März in Rom die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft EWG gründeten. Viele Länder mit einem gemeinsamen Markt, freiem Grenz- und Kapitalverkehr wollte das Sextett schaffen. Jedermann sollte überall seine Dienste anbieten dürfen. Hinfort galt die Zollunion der Benelux-Staaten in allen sechs Gründungsländern. Seit 1992 heißt der Bund Europäische Union, ein Kreis von zwölf Sternen auf blauem Grund ist heute sein Signet.