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Industrie bei Stand-by auf Stand-by

14. Mrz 2007 13:29
Besser mal ausschalten. Das soll dem Klima nützen
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In der Diskussion um Stand-by-Stromfresser mehrt sich die Schar der Gegner. Nicht mehr nur die Grünen wollen ein Verbot der Bereitschafts-Diode. Vorläufig hilft nur die schaltbare Steckdosenleiste.

Aus der Großen Koalition gibt es Unterstützung für das von den Grünen vorgeschlagene Verbot von Stand-by-Funktionen an Elektrogeräten. Die Größenordnung bei der Stromvergeudung durch Stand-by-Geräte sei «so, dass man an das Thema rangehen muss und auch Vorgaben machen sollte», sagte der Vorsitzende des Nachhaltigkeitsbeirates, Günter Krings (CDU), der «Rheinischen Post». Angesichts der gewaltigen Menge müsse man notfalls «gesetzgeberische Vorgaben in Erwägung ziehen». Neben ökologischen Aspekten befasst sich Krings' Bundestagsgremium mit Demographie oder Generationengerechtigkeit.

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Aufgebracht hatte die Verbots- Idee die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. Der Stand-by-Modus «frisst ohne Sinn und Verstand Strom». Das sei vor allem dann deutlich ohne Nutzen für den Menschen, wenn dieser gar nicht im Hause sei, sagte die für prägnante Statements bekannte Berlinerin. Wenn alle temporär nicht benutzten Geräte in deutschen Haushalten stattdessen ganz ausgeschaltet würden, ließe sich eine Energiemenge einsparen, die der Leistung von zwei Kraftwerken entspreche, hatte Künast vorgerechnet. Sie verspricht sich davon eine Minderung der klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen.

Im Gegensatz zu den Grünen kann die Partei des CDU-Politikers Krings in der Regierung etwas bewegen. Die Industrie verfolgt die Diskussion genau.

Forscher bestätigen Künasts Rechnung: Das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe (ISI) bestätigte, dass allein im Jahr 2004 elektrische Geräte in deutschen Haushalten und Büros im Stand-by-Zustand 18 Milliarden Kilowattstunden Strom verbraucht haben. Das entspricht von der Leistung her zwei durchschnittlichen Atomreaktoren und damit laut ISI der gesamten Stromerzeugung durch Windkraft in Deutschland.

Tagaus, tagein acht Watt

Denkbar sei, so Künast, einen konkreten Stichtag festzulegen, ab dem Geräte wie Fernseher, Radios oder Videorekorder mit Bereitschaftsschaltung nicht mehr verkauft werden dürfen.

Der Nutzlos-Stromverbrauch summiert sich schnell: «Eine Set-Top-Box beispielsweise, die künftig in jedem Haushalt stehen wird, der Digital-Fernsehen empfangen will, verbraucht im Stand-by-Modus tagaus tagein acht Watt», sagt Barbara Schlomann von ISI. Das ist fast die Leistung einer Nachttischlampe. Bei knapp 60 Millionen Fernsehern in Deutschland würden daraus über drei Milliarden Kilowattstunden im Jahr – Dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von einer Million Familien-Haushalte.

Einsparpotenzial immens

Schlagartig ändern wird sich an den Stand-by-Verlusten jedoch nichts: Zwar habe es bei einigen Geräten wie PC oder Fernsehen in den letzten Jahren technische Verbesserungen der Hersteller gegeben, doch gleiche die Zunahme bei den Gerätezahlen diese Einsparungen nahezu aus. Selbst im so genannten Schein-aus-Modus verbrauchen Geräte immer noch etwas Strom – Der Grund: Der vermeintliche Einschalter trennt etwa Computer nicht direkt vom Stromnetz, sondern unterbricht nur die Stromversorgung innerhalb des Geräts. Stromverbrauchende Geräteteile bleiben dagegen mit dem Netz verbunden.

Allerdings – so die Fraunhofer-Forscher - sei auch das Einsparpotenzial in Höhe von rund neun Milliarden Kilowattstunden immens, wenn die jeweils besten Technologien eingesetzt würden. Das Institut schlägt deshalb eine Klassifizierung der Geräte nach Energieeffizienz vor. Das wollen auch die Verbraucherschützer: Ein täglich acht Stunden lang laufender Computer soll mehreren Studien zufolge Stromkosten von 200 Euro im Jahr verursachen.

Kein technisches Problem

Dabei würden lediglich 30 Prozent des Stroms tatsächlich genutzt. Der Rest ginge verloren, weil die PCs in Pausen nicht abgeschaltet würden oder das Netzteil permanent unter Strom stehe. Mit einem neuen Öko-Siegel sollten nach Meinung von Müller die Käufer ähnlich wie heute schon bei Kühlschränken auf einen Blick erkennen können, ob ein Gerät stromsparend ist.

Laut Deutscher Energie-Agentur (Dena) sind sparsamere Stand-by-Lösungen kein technologisches Problem. Sie macht aber wie auch der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitcom) darauf aufmerksam, dass Geräte häufig auf den Stand-by-Modus angewiesen sind, weil sie nur so ihre Bestimmung erfüllen können. Anrufbeantworter, Aufnahmegeräte, Computer, Modems, Faxgeräte oder Drucker. Ein Verbot hält Dena-Chef Stephan Kohler für nicht sinnvoll.

Steckdosenleisten verstauben

Im übrigen habe die Industrie den Stand-by-Verbrauch ihrer Geräte in den letzten Jahren dramatisch verringert, heißt es beim Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie in Frankfurt am Main. Es gebe jedoch noch immer erhebliches Verbesserungspotenzial. Ein Stand-by-Verbot sieht man hier skeptisch: «Die Frage ist vor allem, ob das der Verbraucher mitmacht.»

Die Zweifel sind berechtigt: Nur konsequente Energiesparer etwa verweisen immer wieder auf die schaltbare Steckdosenleiste. Hundertprozentig wirksam trennt sie alle angeschlossenen Verbraucher über einen Schalter von Stromnetz. Eine zugegebenermaßen wirksame, jedoch nicht besonders attraktive Lösung – es sei denn, der Bastler sorgt mit Zeit und Kraft für ein einigermaßen elegantes Resultat. Meist verstaubt die Steckdosenleiste samt Kabelgewirr jedoch hinter den Geräten, zum Schalten muss sich zum Boden bücken – das muss man wollen.

 
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