Presseschau: Nicht vor Terror in die Knie gehen
12. Mrz 2007 11:36
 |  Jüngstes Geisel-Video aus dem Irak: Deutsche mit ihrem Sohn | Foto: dpa |
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Die deutsche Presse analysiert die jüngsten Terrordrohungen gegen Deutschland nüchtern. Auch die Geiselnahme im Irak sehen sie mittlerweile als Teil des politischen Alltags.
«Mitteldeutsche Zeitung»: Nicht in die Knie gehen
So bedrohlich das alles ist, so durchsichtig ist es auch. Realer Terror ist das eine, Propaganda etwas anderes. Es erscheint jedenfalls ein bisschen billig, wenn Verblendete meinen, sie müssten bloß eine Verknüpfung zwischen Afghanistan und dem Irak herstellen - und schon gehe ganz Deutschland in die Knie. Nein, da muss das Motto lauten: Wir lassen uns nicht einschüchtern!
«Abendzeitung»: Konsequenzen ziehen
Die Bundesregierung kann aus dem Fall Konsequenzen ziehen. Sie muss in der Region deutlicher darauf hinweisen, dass deutsche Soldaten in Afghanistan nicht in erster Linie Teil einer Kriegsmacht sind; dass die Bundeswehr aufbauen will und soll - und dass sie mit dieser Arbeit erfolgreicher ist als alle Tornado-Jets der Welt zusammengenommen.
«FTD»: Mit Entführungen leben
Im Irak hat sich herumgesprochen, dass Berlin zahlt; auch als es um Susanne Osthoff und die Leipziger Ingenieure ging, floss Geld. Die Bundesregierung hat also selbst verschuldet, dass sie wieder erpresst wird. Die Frage aber, ob sie zahlen sollte oder nicht, stellt sich nicht mehr - sie ist zum Zeitpunkt der ersten Entführungen beantwortet worden. Anders als die britische Regierung, die hart geblieben ist und die Enthauptung eines Staatsbürgers vor laufender Kamera in Kauf nahm, mutet die Bundesregierung sich eine so harte Grundsatzentscheidung nicht zu. Mit Glück und Geld kann sich auch das gegenwärtige Geiseldrama lösen. Deutschland wird damit leben müssen, dass im Irak immer wieder Deutsche entführt und freigekauft werden.
«Westfalenpost»: Beteiligte eines Krieges
Die Annahme, zwischen den Videodrohungen und dem Bundestagsbeschluss zur Entsendung von Tornados nach Afghanistan bestehe kein zeitlicher Zusammenhang, ist wenig glaubhaft. Die Kämpfe im Irak und am Hindukusch haben zur engeren Verknüpfung irakisch- afghanischer Terrorbande geführt. Deutschlands Enthaltung beim Bagdad-Einsatz und der Aufbaueinsatz im Norden Afghanistans ist aus Terroristensicht kein Grund für irgendwelche Rücksichtnahme. Wir sind, das muss man sich klar machen, Beteiligte eines Krieges geworden, der allein mit militärischen Mitteln nicht zu gewinnen ist. Umso wichtiger ist es, die Gründe für die Entsendung deutscher Soldaten klar herauszustellen. Der Einsatz ist nicht gegen den Islam, wie Islamisten behaupten, sondern für friedliches Zusammenleben und gegen menschenverachtendes Verbrechen.
«Frankfurter Rundschau»: Hoffen aufs Gewöhnliche
Wer um das Leben der im Irak entführten Deutschen bangt, muss hoffen, dass es sich bei den Kidnappern um gewöhnliche und nicht um politisch motivierte Verbrecher handelt. Denn die Chancen für eine Freilassung steigen enorm, wenn es nur um Lösegeld geht. Doch selbst wenn die politische Forderung nach Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan nur Mittel zum Zweck einer finanziellen Erpressung sein sollte, dann wären die Entführer zwar nicht Akteure, aber doch Trittbrettfahrer des fast ausweglosen Kampfs um das Land am Hindukusch.
«Leipziger Volkszeitung»: Wachsende Vernetzung
Dass Entführer im Irak den Abzug Deutschlands aus Afghanistan fordern, lässt den wachsenden Grad der Vernetzung islamistischer Extremisten und damit die Dimension des Einsatzes am Hindukusch ahnen. Aus der Sicht der militanten Vorkämpfer, die sich als Teil einer globalen Idee wähnen, sind Afghanistan, Somalia, Irak oder Tschetschenien in der Tat nur Frontabschnitte ein und desselben Krieges. Der Tod des deutschen Entwicklungshelfers in Afghanistan und die angedrohte Ermordung der deutschen Geiseln im Irak könnten ein Hinweis darauf sein, welche Opfer noch zu erwarten sind, wenn bis zum militärischen Sieg über die Taliban gekämpft wird. Vielleicht - und hoffentlich - bekommt die deutsche Regierung die Entführten frei, ohne sich erpressen zu lassen. Nur, der nächste Fall ist allenfalls eine Frage der Zeit. (nz/dpa)