Es war kein Dummejungenstreich, sondern eine gezielt geplante Tat. Weil sie das «Tagebuch der Anne Frank» in Nazi-Manier öffentlich in die Flammen warfen, standen sieben Männer vor Gericht.
Wegen der öffentlichen Verbrennung eines Anne-Frank-Tagebuchs hat das Amtsgericht Schönebeck fünf Männer zu je neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Gericht sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass die 24- bis 29-Jährigen die Tat während einer «Sonnenwendfeier» im Juni 2006 in Pretzien in der Nähe von Magdeburg gemeinsam geplant hatten. Die Männer wurden wegen Volksverhetzung und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener verurteilt. Zwei Angeklagte kamen mangels Beweisen frei.
Die jungen Männer hatten in dem Dorf Pretzien südöstlich von Magdeburg (Sachsen-Anhalt) eine Art Bücherverbrennung inszeniert. Dorfbewohner feierten dort am 24. Juni die Sonnenwende mit einer Tanzveranstaltung und einem offenen Feuer. In einen lodernden Haufen aus Holz und Stroh warf dann einer der Männer unter anderem ein Exemplar des «Tagebuch der Anne Frank» – das weltweit bekannt gewordene Tagebuch der 1945 im KZ Bergen-Belsen getöteten Jüdin. Daraufhin hatte ein Mitarbeiter des zuständigen Ordnungsamtes die Veranstaltung abgebrochen. Der Ortsbürgermeister war nicht eingeschritten und hatte sich anschließend gegen den Vorwurf der Untätigkeit zu verteidigen. Die Linkspartei schloss ihn als Mitglied aus.
Einer der Täter, Marc P.
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Die Täter ahmten damit die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten nach, die 1933 auf dem Berliner Opernplatz und in anderen deutschen Städten «undeutsches Schrifttum» in die Flammen werfen ließen. Der Fall von Pretzien hatte international für Schlagzeilen gesorgt. Ausländische Zeitungen berichteten empört. (nz)