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Koalition verabschiedet sich von Kita-Plänen

06. Mrz 2007 15:49
Vorerst kalt gestellt: Bundesfamilienministerin von der Leyen
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Die Koalition agiert bei der Kinderbetreuung nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum: Die Absicht, 500.000 zusätzliche Kita-Plätze zu schaffen, ist beerdigt, statt dessen wird ein rot-grünes Gesetz wichtig.

Im Streit um Kinderbetreuungsplätze schalten die Streitparteien einen Gang zurück: Weil zwischen Union und SPD keine Einigkeit darüber zu erzielen ist, ob die Absicht von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen richtig ist, die Zahl der Kinderbetreuungsplätze auf 750.000 zu verdreifachen, will sie nun zunächst auf 500.000 verdoppeln. Das entspricht einem 2005 verabschiedeten Bundesgesetz, wonach der Bund dafür neun Milliarden Euro bereitstellt.

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Für Unions-Fraktionsgeschäftsführer Norbert Röttgen hatten die Pläne der CDU-Politikerin von der Leyen eher symbolische Funktion. «Es war absolut heilsam, dass die Bundesfamilienministerin Druck gemacht hat.» Die Länder seien jetzt an der Reihe, eine Bestandsaufnahme zu machen und das beschlossene Tagesbetreuungs-Gesetz umzusetzen. «Dann muss man sehen, ob ein weiterer Bedarf besteht.»

Hintergrund:
Von mehr staatlicher Kinderbetreuung erhofft sich die Koalition eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen – und letztlich so mehr Kinder. Ist Deutschland doch mit 1,3 Kindern pro Frau europaweit unter den Schlusslichtern. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte, wenn 40 Prozent der Akademikerinnen keine Kinder hätten, sei dies nicht ein Zeichen ihres eigenen Willens, sondern des Kampfes zwischen Beruf und Familie.

Bedarf nur bei Angebot

Hintergrund des Koalitionsstreits ist, dass die SPD von der CDU-Familienministerin konkrete Finanzierungsvorschläge für das Mehr an Kinderbetreuungsangeboten verlangt hatte, die von der Leyen aber schuldig blieb. Erst nach einer allgemeinen Bestandsaufnahme aller familienpolitischen Leistungen wolle sie Vorschläge machen, so die Ministerin. Die Sozialdemokraten hatten ihrerseits ins Spiel gebracht, die Zahl der Kita-Plätze noch stärker als von der Leyen aufzustocken und dies durch Veränderungen am steuerlichen Ehegattensplitting und durch befristeten Verzicht auf Kindergelderhöhungen zu bezahlen. Das wiederum stieß auf Unions-Widerstand.

Interview:
Zuletzt waren aber auch von der Leyens Pläne Ziel der Kritik von CDU und CSU. Nach dem nächtlichen Treffen zog Unions-Fraktionschef Volker Kauder die Notwendigkeit von dreimal mehr Kleinkind-Betreuungsplätzen in Zweifel: Zunächst solle nun geklärt werden, ob es überhaupt Bedarf für zusätzliche Betreuungsplätze gebe. Kritiker sehen das als verzichtbar an: Wie das Parteivorstandsmitglied der Linken, Rosemarie Hein, erinnerte, kam bereits im Juli 2006 eine Studie des Familienministeriums zu der Einschätzung, dass der Bedarf nur dann real abzuschätzen sei, wenn auch ein Angebot zur Verfügung stehe.

Nun sind die Länder am Zug: Jetzt sollten die Familienminister untereinander klären, was zusätzlich notwenig werde. Die SPD sei weiterhin der Meinung, dass man über die Zahl 230.000 hinausgehen solle, sagte Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) nach dem Koalitionstreffen. Ein von der Bundesministerin vorgeschlagener Sondergipfel zum Thema Kleinkinderbetreuung stieß bereits auf Ablehnung. Derzeit gebe es keine Grundlagen für eine solche Konferenz, ließ Brandenburgs Familienminister Holger Rupprecht in Potsdam ausrichten. Zu vieles sei offen. Zudem träfen sich die Länderkollegen bereits im Mai.

 
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