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Klimadebatte erreicht die Reiseweltmeister

04. Mrz 2007 14:32, ergänzt 18:41
Helgoland
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Die als «Reiseweltmeister» bekannten Deutschen bekommen jetzt im Zuge des Klimawandels unangenehme Fakten präsentiert. Manch ein Politiker ruft zum Urlaub im eigenen Land auf - andere sehen im Verzicht auf Flüge keine Lösung.

Die einen werben mit «Günstiger nach Italien fliegen! Einfacher Flug ab 9,99 Euro alles inklusive», andere bieten «Flüge zum Smile-Preis ab günstigen 19,99 Euro», wieder andere locken mit «Europas Highlights One-Way ab 29 Euro». Nie zuvor waren Flugreisen in Deutschland so billig - manchmal kostet das Ticket in die Sonne weniger als eine Taxifahrt quer durch die Stadt. Wer im Billigflieger nach Palma, Rom oder London sitzt, denkt kaum darüber nach, was er damit der Umwelt antut. Bislang zumindest.

Erschreckende Fakten

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Doch im Zuge der aktuellen Klimadebatte schlagen Wissenschaftler jetzt Alarm und präsentieren den als «Reiseweltmeistern» bekannten Deutschen unangenehme Fakten. «Wer mit dem Flugzeug nach Südostasien reist, sollte wissen, dass dabei mehr als sechs Tonnen Kohlendioxid pro Kopf entstehen», rechnete der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, am Samstag in der «Berliner Zeitung» vor. Zum Vergleich: Ein Bahn-Reisender, der von Berlin an die Ostsee und zurück fährt, verursache hingegen nur 35 Kilogramm CO2.

Langsam begreift deshalb auch die EU, um was es geht. Sie will einen in ihrer Geschichte einmaligen Aktionsplan für Klimaschutz und Energiepolitik verabschieden. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte vor dem Frühjahrsgipfel in der «Süddeutschen Zeitung» an, es handele sich nicht «um irgendeine Absichtserklärung», sondern der Plan sei «so konkret, wie es ihn in der Geschichte der Europäischen Union noch nicht gegeben hat». Laut «Handelsblatt» sieht der Entwurf vor, dass die Industrienationen ihren CO2-Ausstoß bis 2050 um 60 bis 80 Prozent reduzieren.

Bleibe im Lande und hilf der Umwelt, lautet eine der vielen Empfehlungen der Klimafachleute. Der Tourismusexperte des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Manfred Stock, brachte es auf die einfache Formel: «Sylt statt Seychellen: Wer etwas für den Klimaschutz tun will, sollte Flugreisen vermeiden und in Deutschland Urlaub machen.» Doch nicht nur Fernreisen sind den Umweltschützern ein Dorn im Auge. Jeder sollte prüfen, ob er auf das Fliegen nicht ganz verzichten kann, riet die Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland, Brigitte Behrens. Also nix mehr mit Christmas-Shopping in London? «Wochenend- Trips per Flieger sind unter Klima-Gesichtspunkten tabu», stellte Behrens im Berliner «Tagesspiegel am Sonntag» kategorisch fest.

Miese Nachrichten

Die Reisebranche, die sich vom 7. bis zum 11. März in Berlin zur Internationalen Tourismusbörse (ITB) trifft, dürfte solche Töne nur ungern hören. Schließlich geht es um viel Geld. 2005 erzielten die deutschen Reiseveranstalter einen Gesamtumsatz von 19,4 Milliarden Euro - Tendenz steigend. Nach einer Analyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen unternahmen die Deutschen 2005 fast 80 Millionen Reisen von fünf und mehr Tagen.

Doch die Warnungen vor der Zerstörung der Umwelt durch Flüge ins Ausland bieten auch Chancen für heimische Urlaubsregionen. ITB- Direktor Martin Buck erwartet denn auch einen Schub für das Reiseland Deutschland. «In wenigen Jahren wird es in weiten Kreisen der Bevölkerung nicht mehr chic sein, während seines Urlaubs die Umwelt mit zu viel CO2 zu verpesten», sagte er der «Berliner Morgenpost».

Bayern vorn

Allerdings boomt Urlaub im eigenen Land schon seit längerem. 2006 verbrachten bereits 34 Prozent ihre Ferien zwischen Flensburger Förde und Alpen. Das waren nach einer Analyse des BAT Freizeit- Forschungsinstituts zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. «Vor allem bei Zweit- und Drittreisen neigen die Deutschen dazu, das eigene Land als Urlaubsziel zu wählen», berichtete BAT-Leiter Professor Horst Opaschowski im Februar beim Vorstellen der Studie. Allerdings war nicht die Nordsee-Insel Sylt die Alternative zu den fernen Seychellen. Vom Deutschland-Reisetrend profitierte vor allem Bayern mit einem Anteil von 7,7 Prozent, gefolgt von der Ostseeküste mit 7,4 Prozent. Die Nordsee kommt auf 4,9 Prozent.

Die Politik sprang schnell auf das neue Thema. «Es gibt viele wunderbare Ferienregionen in Deutschland, die es zu erkunden lohnt», findet Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. «Deutschland ist reich an Kulturschätzen und landschaftlich reizvollen Gebieten», ergänzte der Tourismus- Beauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken (CSU), in der «Bild am Sonntag».

Beckstein schert aus

Doch Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU), der sich über das steigende Interesse eigentlich freuen sollte, warnte vor falschen Erwartungen: «Rücksichtnahme auf die Schöpfung ist gut, durch Verzicht auf Flugreisen werden die weltweiten Klimaprobleme aber nicht gelöst», sagte er dem Berliner «Tagesspiegel am Sonntag». (nz)

 
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