«Es gibt keine Reststrukturen der RAF»
Netzeitung.de: Die Geisteshaltung ist ja noch vorhanden, wenn man sich die jüngsten Äußerungen von Christian Klar ansieht. Es fehlt also nur noch der Aufruf zur Gewalt.
Fromm: Derartige Äußerungen hat es, unabhängig von Herrn Klar, immer wieder gegeben. Wir nehmen sie selbstverständlich zur Kenntnis, auch wenn sie keinen terroristischen Bezug haben.
Netzeitung.de: Die Ex-RAF-Terroristin Mohnhaupt wird bald auf Bewährung freigelassen, bei ihrem einstigen Mitstreiter Christian Klar geht es um eine mögliche Begnadigung. Steht zu befürchten dass die aktuelle Debatte darüber Linksextremisten Auftrieb geben könnte?
Fromm: Das sehe ich nicht.
Netzeitung.de: Aber Kapitalismuskritik in der Form, wie sie der Ex-Terrorist Christian Klar vortrug, dann noch von einem Prominenten bekräftigt, ist das nicht auch Anlass für den Verfassungsschutz, aktiv zu werden?
Fromm: Eine bloße Meinungsäußerung bietet grundsätzlich keine Anhaltspunkte für eine Beobachtung. Der Verfassungsschutz beobachtet verfassungsfeindliche Bestrebungen. Insofern prüfen wir, was Organisationen, Gruppierungen oder Personen tun, die wir als linksextremistisch einschätzen.
Netzeitung.de: Wann wäre Systemkritik ein Beobachtungsgegenstand?
Fromm: Es kommt im Einzelfall darauf an, wie die Kritik am «kapitalistischen System» zu bewerten ist. Oftmals ist damit die staatliche Ordnung gemeint, wie sie in unserem Grundgesetz geregelt ist. Wenn erkennbar ist, dass diese Ordnung durch zielgerichtete Aktivitäten beseitigt werden soll wir sprechen von einer Bestrebung ist die Zuständigkeit der Verfassungsschutzbehörden eröffnet.
Netzeitung.de: Der frühere Präsident des Bundeskriminalamtes, Hans-Ludwig Zachert, glaubt, die früheren RAF-Terroristen Mohnhaupt und Klar könnten in Freiheit eine Gefahr darstellen und sich «gegenseitig aufschaukeln».
Fromm: Die Frage einer Freilassung früherer RAF-Terroristen wird von den hierfür zuständigen Stellen geprüft und entschieden. Deshalb beteilige ich mich auch nicht an einer solchen Diskussion.
Netzeitung.de: Das Grußwort von Klar wurde bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz verlesen, die von der Zeitung «Junge Welt» veranstaltet wird. An der Veranstaltung nahmen auch Linkspartei/PDS-Politiker teil; der Anwalt von Klar meinte, inhaltlich könnte das, was dort verlesen wurde, auch vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac kommen. Zählen Sie die Linkspartei bzw. Attac zu den für den Verfassungsschutz interessanten Organisationen?
Fromm: Attac wird von uns nicht als extremistisch eingeschätzt und infolgedessen auch nicht beobachtet. Bei der PDS sieht das anders aus. Bei ihr sehen wir tatsächliche Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen. Deswegen wird die PDS vom BfV beobachtet allerdings ohne den Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel. Das heißt: Wir setzen keine V-Leute ein, wir observieren nicht, und wir hören schon gar keine Telefonate ab. Wir bewerten nur das, was öffentlich zugänglich ist.
Netzeitung.de: Der G8-Gipfel ist immer auch ein Ziel von Globalisierungskritikern. Wie sicher ist der Gipfel, der in Heiligendamm im Juni stattfindet?
Bislang hat es im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel 16 Brandanschläge im norddeutschen und berliner- bzw. brandenburger Raum gegeben. Das macht uns Sorgen, weil bis zum Beginn des Gipfels mit weiteren Anschlägen gerechnet werden muss. Die Aktionen richten sich überwiegend gegen das Eigentum von Personen und Firmen, die von den Tätern für die negativen Folgen der Globalisierung verantwortlich gemacht werden.

