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Nicht Mixa hat die «Gebärmaschine» erfunden

23. Feb 2007 16:11
Schwangere Frau
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Dem Augsburger Bischof Mixa ist es gelungen, mit dem Wort «Gebärmaschine» einen einst linken Kampfbegriff mit einer konservativen Sicht zu besetzen. Das, womit er für Empörung sorgt, hat eine lange politische Geschichte.

Den Begriff «Gebärmaschine» gibt es schon lange und er sorgte immer wieder für heftige Auseinandersetzungen: Zur «Gebärmaschine» werde eine Frau degradiert, wenn staatliche Förderung sie dazu verleite, ihr Kind kurz nach der Geburt in Kinderkrippen zu geben, monierte der Augsburger Bischofs Walter Mixa und kritisierte damit die Familienpolitik der Bundesregierung. Er löste ein wahres Erdbeben an Reaktionen aus.

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Mixa ist damit gelungen, den einst linken Kampfbegriff mit einer konservativen Sicht zu besetzen. Bislang war «Gebärmaschine» nämlich eher eine Waffe der Frauenbewegung und der Linken gegen die Ausbeutung von Frauen. Mit dem Ausdruck wurde die Familienpolitik der Konservativen und ihr Nein zur Abtreibung polemisch angegriffen.

Der Bischof nutzt den Terminus nun in einem neuen Zusammenhang. Er warf Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor, die Ausweitung von Kinderbetreuungsplätzen sei vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie zu rekrutieren. Mit dem Begriff «Maschine» will er nun eine mögliche Verzweckung von Frauen anprangern.

In den 70er Jahren war das anders: Als Alice Schwarzer, Romy Schneider und Senta Berger 1971 im Magazin «Stern» bekannten: «Ich habe abgetrieben», kämpften auch sie gegen die vermeintliche Rolle der Frau als Gebärmaschine und für die Entscheidungsmacht über den weiblichen Bauch. Frauen würden ohne Rücksicht auf ihr eigenes Befinden und ihr berufliches Fortkommen gezwungen, sich auf die Rolle der Kindergebärerin zu beschränken, so der Vorwurf. Das sichere die Herrschaft der Männer in der Gesellschaft.

Als der Kölner Kardinal Joachim Meisner Schwarzer 1991 in einem Streitgespräch vorhielt, es sei in der Gesellschaft leider eher akzeptabel, eine Abtreibung vorzunehmen als ein Kind zur Adoption freizugeben, antwortete diese mit dem lapidaren Satz: «Ein menschlicher Körper ist keine Gebärmaschine.»

Schwarzer und viele aus der Frauenbewegung sahen eine Kontinuität zwischen der Familienpolitik der Bundesrepublik und der Ideologie der Nationalsozialisten und des Deutschen Kaiserreichs. Aus Sicht der Nationalsozialisten sollten Deutschlands Frauen Kinder gebären, um das Reich im Kampf um die Vorherrschaft in Europa zu stärken.

Für Adolf Hitler selber aber war das Wort «Gebärmaschine» negativ besetzt. 1942 wehrte er sich gegen den Vorwurf, dass seine Partei «frauenfeindlich sei und in der Frau nur eine Gebärmaschine oder ein Lustobjekt sehe». In der Jugendfürsorge und auf karitativem Gebiet habe die NSDAP den Frauen viel Raum gegeben, fügte er hinzu. Zugleich machte er deutlich: «Ein Frauenzimmer, das sich in politische Sachen einmischt, ist mir ein Greuel». ( Von Christoph Arens, KNA)

 
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