Presseschau: Frauenverachtender Bischof
23. Feb 2007 09:41
 |  Blick in die Gebärmaschine? Bischof Walter Mixa betrachtet ein frühgeborenes Kind im so genannten Inkubator | Foto: dpa |
|
Bischof Mixa empört mit seiner Haltung zur Kinderbetreuung nicht nur die Politik. Auch deutsche Leitartikler meinen: der Bischof ist übers Ziel hinausgeschossen.
«Frankfurter Rundschau»: Nicht schön
Leider hat es etwas gedauert, bis Sie, Herr Mixa, sich in den Familienstreit der Christen-Union eingemischt haben. Aber auf solche Worte warten wir gern etwas länger. Wenn es nicht daran liegt, dass die Leitungen der katholischen Kirche verstaubt sind. Was wir nur deshalb befürchtet haben, weil das Wort von der Industrie-Reserve eher einem Argument der K-Gruppen von der anderen Seite ähnelt. Aber die sind ja von gestern. Was man schon daran sieht, dass sie Kinder im Osten zwangsverkrippt haben. Sie dagegen, Herr Mixa, denken an morgen. Und sagen: alles zu seiner Zeit. Kinder, Küche und Kirche den jungen Frauen - die alten werden dann schon sehen, wer sie als Reserve braucht, wenn sie auf den Arbeitsmarkt zurückwollen. Gebärmaschine ist wirklich nicht schön. Und Küchenmaschinen werden immer gebraucht.
«Westdeutsche Zeitung»: Frauenverachtend
Täglich wird die Sprache derer verletzender, die ihr wertkonservatives Familienbild bedroht sehen. Wenn der Augsburger Bischof Mixa nun proklamiert, berufstätige Mütter verwandelten sich in Fortpflanzungsautomaten, dann entlarvt dies sein frauenverachtendes, realitätsfernes Weltbild. Nein, mit seinen Äußerungen schadet der Bischof vom katholischen Traditionsflügel nicht der Familienministerin, die mehr Betreuungsangebote für Kleinkinder anbieten möchte. Mixa schadet in erster Linie der Kirche selbst. Das ist schade, denn tatsächlich sind die Gemeinden vor Ort weltoffener als Mixa, weil sie durch ihre Kindergärten und Schulen täglich mit der Realität junger Familien konfrontiert werden.
«Südwest Presse»: Übers Ziel hinausgeschossen
Wenn sich schon die CSU schützend vor die CDU-Familienministerin stellt, muss der Augsburger Bischof Walter Mixa bei seiner Kritik an Ursula von der Leyen weit über das Ziel hinausgeschossen sein. Mit seinen Äußerungen hat sich der Kirchenmann isoliert, auch im Kreis seiner Kollegen aus anderen Diözesen, die ja nicht etwa begeistert sind von den Plänen der Ministerin, aber ihre Bedenken maß- und respektvoll formuliert haben. Nein, nicht die Regierung ist ideologisch verblendet, wie der Augsburger Bischof meint, sondern er selbst, weil er sich weigert, den gesellschaftlichen Wandel zur Kenntnis zu nehmen.
«Märkische Oderzeitung»: Randposition
Mixa vertritt in der deutschen katholischen Kirche eine Randposition. Der für Familienfragen zuständige Berliner Erzbischof Sterzinsky hat sich überwiegend positiv zur Idee von Bundesfamilienministerin von der Leyen geäußert, die Zahl der Krippenplätze drastisch auszubauen. Auch wenn die forsche Ministerin im Unionsumfeld traditionelle Familienvorstellungen ins Wanken bringt, die Realitäten der modernen Arbeitswelt und der katastrophale demografische Trend zwingen zum Handeln. Oder will man weiter zusehen, dass fast 50 Prozent der jungen Akademikerinnen kinderlos sind? Die Kinderbetreuungsmöglichkeiten müssen dringend verbessert werden, damit Frauen echte Wahlmöglichkeiten bekommen.
«Nordkurier»: Murks
Die bischöfliche Suade, die die Protestantin von der Leyen mit Würde ertragen wird, zielt ins Herz ihres Vorschlags, nämlich durch den Ausbau der Kleinkinderbetreuung die Möglichkeiten für junge Mütter zu erweitern, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Es geht um ein Angebot, es geht überhaupt nicht um Zwang. Es geht vielmehr um ein Stück mehr Freiheit, Entscheidungsfreiheit. Die Koalition sollte das Leyensche Projekt, das die Unterstützung der Kanzlerin genießt, mutig voranbringen. Was Bischof Mixa gestern aber in die Welt gesetzt hat, ist schlicht und einfach Murks. (nz)