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Was von Stoiber übrig bleibt

21. Feb 2007 18:00
Edmund Stoiber
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So spannend war der Politische Aschermittwoch in Passau schon lange nicht mehr. Kein Wunder: Erwartete man doch die letzte große politische Rede von CSU-Chef Stoiber, eine Art Vermächtnis. Von Dietmar Neuerer.

Es war Edmund Stoibers letzter großer Auftritt in Passau: Beim Politischen Aschermittwoch wollte sich der Noch-CSU-Chef den feucht-fröhlichen Fastenpilgern noch einmal in alter Stärke zeigen. Schnell wird deutlich: Stoiber feiert am «größten Stammtisch der Welt» nicht nur seinen Abschied von der politischen Bühne. Er will etwas Bleibendes hinterlassen – sein politisches Testament.

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Fast drei Stunden nimmt sich der bayerische Ministerpräsident dafür Zeit. Heraus kommt dabei nicht nur Verbalkrawall in Bierdunst und Zigarettenqualm. Stoiber hat den über 6000 CSU-Anhängern in der Passauer Dreiländerhalle mehr zu bieten - Balsam für die christlich-soziale Seele. «Unser Horizont endet nicht an den Alpen», sagt er. «Heimatliebe und Weltoffenheit - das ist das große Erbe der CSU.» Tosender Applaus.

Hauen und Stechen

Ganz bewusst setzt Stoiber einen konservativen Akzent und schwelgt in guten, blau-weißen Zeiten. Als noch niemand glaubte, die CSU könne als «einzige echte Volkspartei» jemals in eine Führungskrise schlittern.

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Die CSU ist allerdings längst in der harten Realität angekommen: Zerrissen erscheint die Partei, seit bekannt ist, dass Stoiber nach 14 Jahren als Ministerpräsident nicht nur dieses Amt abgibt, sondern auch den CSU-Vorsitz. Ein wesentliches Vermächtnis Stoibers für seine Nachfolger ist dann auch die Abkehr vom gegenseitigen Hauen und Stechen. Er kritisiert am aktuellen Führungsstreit, dass Einzelne mit «Disziplinlosigkeit und Aggressivität» die Stärke der CSU gefährden.

Freundlich zu Huber und Seehofer

Von der künftigen Führung in Bayern erwartet Stoiber «große Integrationskraft». Absolute Mehrheiten sind kein Erbhof, wird er nicht müde zu betonen. Das Vertrauen müsse sich die CSU immer wieder neu erarbeiten. Wer dazu am besten geeignet wäre – Erwin Huber oder Horst Seehofer – lässt Stoiber bewusst offen. Für beide findet er freundliche Worte. In die Auseinandersetzungen um seine Nachfolge will er sich nicht einmischen.

Stoiber greift vielmehr die Sorgen vieler CSU-Mitglieder auf, dass der Union die traditionelle Wählerschaft wegbrechen könnte. Auch ihm ist bewusst, dass die Sorgen der Wertkonservativen und Wirtschaftsliberalen in der Union größer geworden sind, seit Friedrich Merz kürzlich das Handtuch warf.

«Gott segne unser Bayern»

So nutzt Stoiber die Gunst der Stunde für ein weiteres Vermächtnis: Er thematisiert die Debatte über die Zukunft der Kinderbetreuung und die Rolle der Mütter und zeigt sich dabei als überzeugter Traditionalist. Besonders wichtig für ihn: Eine Abkehr vom traditionellen Familienbild darf es nicht geben. Die Union dürfe nicht nur das Modell der erwerbstätigen Frau präferieren. «Haltet mir den Laden zusammen!», ruft er aus. «Wir sind für alle da und nicht nur für ein Lebensmodell!»

Stoibers Strategie folgt einem Dreiklang: Heimat, Familie und Nation. Erst kommt Bayern, dann Deutschland, dann der Rest der Welt. Für ihn ist das keine sentimentale Floskel. «Unser Herz schlägt für Bayern», ruft der Ministerpräsident voller Überschwang seinen Anhängern entgegen. Der darauffolgende Beifall ist so euphorisch, dass Stoiber sogar Gott vergisst. Den letzten Satz in seinem Manuskript - «Gott segne unser Bayern» – verschluckt er einfach.

«Edmund, Edmund!»

Dafür taucht überraschend oft ein anderer, irdischer Gott auf: Franz Josef Strauß. Stoiber wird nicht müde, seinen Mentor verbal zu liebkosen. Er lobt dessen politische «Leitentscheidungen», die dazu führten, dass Bayern überhaupt auf die Erfolgsspur kam. Nach Strauß und dem glücklosen Max Streibl kam Stoiber ans Parteiruder und lenkte den Freistaat in ein noch erfolgreicheres Fahrwasser. Die Menge in Passau weiß das zu schätzen und jubelt: «Edmund, Edmund!». Spätestens jetzt wird deutlich, was auf die Nachfolger Stoibers zukommt. Er selbst sagt es ihnen: «Mein Erfolg muss fortgesetzt werden.»

Stoiber erscheint hier nicht - wie in den meisten Medien - als der konfuse Aktenfresser, der sich zu oft verhaspelt. Die Fußstapfen, die er hinterlässt, sind groß, sehr groß. «Der Wert unserer heutigen Generation liegt nicht in unserer Ernte, sondern in unserer Aussaat», lobt er sich selbst. Seine Nachfolger dürften sich nicht auf den bisherigen Erfolgen der CSU ausruhen. Dafür steht zuviel auf dem Spiel: Strauss Erbe und auch seins.

Immer wieder beschwört der Noch-Ministerpräsident deshalb «unsere Wurzeln», die das Profil der CSU ausmachen und auch künftig ausmachen sollen: «Wir sind konservativ! Wir sind liberal! Wir sind christlich-sozial!» Für Stoiber sind das keine hohlen Begriffe, sondern eine Art Erfolgsrezept. Seine Nachfolger sollten sich daran halten, sonst garantiert er ein Donnerwetter. In Passau kündigte er an, immer dann ins politische Geschehen einzugreifen, wenn sein Erbe aufs Spiel gesetzt wird. Dafür unterlässt es Stoiber weitgehend, den Berliner Koalitionspartner SPD zu kritisieren. Auf die sonst beim Politischen Aschermittwoch üblichen scharfen Attacken, warteten die Hörer jedenfalls vergebens.

 
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