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Bayern sieht Diskotheken als «Giftküchen»

18. Feb 2007 12:41
Raucher bringen nicht nur sich selbst in Gefahr
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Passivrauchen ist laut einer Untersuchung des bayerischen Landesamts für Gesundheit noch schädlicher als bislang angenommen. Niedersachsens Ministerpräsident Wulff erwartet indes keine rasche Einigung auf Länderebene.

Besucher von Diskotheken, Kneipen und Restaurants setzen sich laut einer Untersuchung größeren Gesundheitsrisiken aus als bisher bekannt.

Wie die «Bild am Sonntag» berichtet, fand das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Diskotheken Feinstaubwerte von über 1000 Mikrogramm je Kubikmeter Luft.

Auch in Kneipen (220 Mikrogramm) und Restaurants (200 Mikrogramm) wurden demnach stark erhöhte Werte festgestellt. Im Freien gilt ein Grenzwert von nur 50 Mikrogramm.

«Was die Luftqualität angeht, sind Diskotheken wahre Giftküchen», sagte der bayerische Gesundheitsminister Werner Schnappauf der Zeitung. «Die erschreckenden Zahlen der Studie sind ein unübersehbares Signal für die Notwendigkeit eines weit reichenden und konsequenten Nichtraucherschutz in Gaststätten und Discotheken», wird der CSU-Politiker zitiert.

Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg erhöht eine Belastung in der von den bayerischen Experten gemessenen Höhe für die Beschäftigten das Risiko von Krebs sowie Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

«Zum Schutz ihrer Gesundheit müssten Bedienungen dort eigentlich mit Gasmaske und Schutzanzug arbeiten», wird die DKFZ-Expertin Martina Pötschke-Langer zitiert. Bei Menschen mit empfindlichen Atemwegen könne sogar schon ein einmaliger Discobesuch eine Bronchitis auslösen.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, verwies nach der Zeitungsmeldung auf geltende Grenzwerte in der Industrie: «Kein Industriebetrieb könnte es sich leisten, seine Mitarbeiter ungeschützt solchen Schadstoffkonzentrationen auszusetzen.»

Die Gesundheitsminister der Länder beraten auf einem Gipfel am kommenden Freitag in Hannover über geeignete Maßnahmen. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) erwartet allerdings keine Einigung über Rauchverbote.

«Ich glaube, dass das eher bei den Beratungen der Ministerpräsidenten zu Stande kommt in der Form, dass man sich hoffentlich über 80 Prozent der Regelungen gemeinsam einigt und dann vielleicht auch Alternativen hat», sagte Wulff in einem Interview des Deutschlandfunks.

Der CDU-Politiker plädierte dafür, dass zwei unterschiedliche Regelungen drei oder vier Jahre gelten. Die Länder könnten sich dann entscheiden, ob sie generelle Rauchverbote einführen oder aber ein bisschen Freiraum lassen wollen, so dass sich Gastronomen und Kunden selbst entscheiden könnten.

Wulff meinte, auf diese Weise könne man Erfahrungen sammeln und Wettbewerb organisieren. Es dürfe ruhig einmal Unterschiedlichkeiten geben zwischen den Ländern. «Das darf man dann nicht mit Flickenteppich diffamieren, denn das ist dann auch die Chance, aus unterschiedlichem Vorgehen zu lernen und best practice zu praktizieren», sagte er. So müsse man schauen, wo am Ende die wenigsten Arbeitsplätze weggefallen sind und die meisten Leute zu überzeugten Nichtrauchern geworden seien.

Er wünsche sich Rauchverbote im Bereich von Verkehrsmitteln, Schulen, Hochschulen, Bildungseinrichtungen, Krankenhäusern und vielen anderen öffentlichen Einrichtungen, so Wulff. In der Gastronomie müsse grundsätzlich ein Rauchverbot herrschen soll, Rauchen in abgeschlossenen Räumen mit eigener Luftzirkulation solle weiter möglich sein.

Gastwirte sollten sich nach seiner Ansicht aber auch dafür entscheiden können, dass bei ihnen geraucht werden kann. «Dann müssen sie es aber kenntlich machen und dann weiß derjenige, der dort reingeht, dass er in eine Gaststätte geht, in der auch geraucht wird.« (nz/AP/dpa)

 
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