Widerstand leistet Schäubles Kabinettskollegin Brigitte Zypries (SPD), die im Eindringen des Staates auf private Computer «eine besondere Qualität» sieht und es deshalb für polizeiliche Zwecke verhindern will. Im Unterschied zu einer Hausdurchsuchung, bei der der Betroffene anwesend, zumindest sogar informiert ist, forschen Ermittler bei der Online-Durchsuchung auf den Festplatten, ohne dass es der verdächtigte Computerbesitzer bemerkt. Weil immer mehr Computer durch günstige Flatrates quasi Tag und Nacht online sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, für die Ermittler erreichbar zu sein. Nicht nur die Festplatten des Rechners, sondern auch eingebaute oder angeschlossene Mikrofone und Kameras sind somit für die Spione erreichbar.
Notwendig sein soll für den Online-Spaziergang auf der Festplatte auch in Zukunft ein richterlicher Beschluss, erwirkt von Strafverfolgern oder Sicherheitsbehörden. Landesminister Schünemann versucht, Restzweifel zu zerstreuen. «In der Regel werden die Betroffenen nach der Festplatten-Durchsuchung auch informiert.» Bisher wurden jedoch nur zwei Fälle bekannt, in denen Fahnder die umstrittene Methode überhaupt anwandten.