Stoiber selbst sagte vor Journalisten: «Eine aktuelle Stimmung darf nicht zu langfristigen Entscheidungen führen, weil Stimmungen sich sehr schnell ändern.» Entscheidend sei, dass auf dem Parteitag im September eine einvernehmliche Lösung beschlossen werde. «Da gibt es kein Zeitlimit», fügte er hinzu. Fraktionschef Herrmann äußerte die Hoffnung, «dass die aufgeregte öffentliche Debatte bald nachlassen und verstummen wird». Der Ministerpräsident habe es in der Hand, «dass er mit uns gemeinsam hier Zukunftslösungen erarbeitet». Die Fraktion stehe hinter ihm und spreche ihm das Vertrauen aus, die Kritik an der CSU-Basis werde aber nicht weggeschoben.SPD und Grüne in Bayern kündigten unterdessen die Einleitung eines Volksbegehrens für Neuwahlen an. Zunächst sollen 25.000 Unterschriften gesammelt werden, um ein Volksbegehren zur Auflösung des Landtags beantragen zu können. Die bayerische FDP hat für kommenden Samstag eine Sondersitzung einberufen, um die weitere Marschroute festzulegen.
Die Führungskrise der CSU schadet unterdessen der Popularität der Unionsparteien, wie Umfragen am Mittwoch ergaben. Laut einer Repräsentativumfrage von «Stern» und RTL fielen CDU und CSU von ihrem zwischenzeitlichen Hoch von 35 Prozent auf 33 Prozent zurück. Die SPD steigerte sich dagegen um zwei Punkte auf 28 Prozent in der Wählergunst. Zudem ist die große Mehrheit der Deutschen der Meinung, ein Rückzug von Stoibers würde der Union nutzen. Dies ergab eine Emnid-Umfrage im Auftrag von N24. In Bayern selbst sind den Angaben zufolge 69 Prozent dieser Meinung. (nz)