Stoiber schließt Kandidatur-Verzicht nicht aus
15.01.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Viele Abgeordnete forderten offen den Wechsel, andere unterstützten Stoiber. CSU-Fraktionschef Joachim Herrman sprach von einer «sehr guten, sachlichen, fairen Diskussion». Ob auf der viertägigen Tagung bereits eine Entscheidung fällt, ist ungewiss.
Nach der ersten Runde mit rund 40 Abgeordneten des erweiterten Fraktionsvorstandes will sich Stoiber am Dienstag allen 124 CSU-Abgeordneten zur Diskussion stellen. «Ich kämpfe für meine Ziele, für den Erfolg Bayerns und für den Erfolg der CSU», sagte Stoiber bei seiner Ankunft in Kreuth.
Ob die Fraktion angesichts schlechter Umfragen für Stoiber 2008 wieder mit ihm antreten will, ließ Herrmann ausdrücklich offen: «Wir werden darüber sprechen in Kreuth.»
Mit Empörung reagierte die gesamte CSU-Spitze auf einen Bericht über eine angebliche außereheliche Beziehung des stellvertretenden CSU-Chefs Horst Seehofer. Bei einem Rückzug Stoibers gilt er bisher als Favorit für den Parteivorsitz.
Stoiber sagte: «Ich finde es unanständig, dass so etwas in den Medien gestreut wird.» Seehofer «ist und bleibt für höchste Ämter erste Wahl».
Seehofer und der als möglicher Ministerpräsident gehandelte Innenminister Günther Beckstein forderten, dass die CSU mit Stoiber 2008 in die Wahl zieht.
Der Augsburger Abgeordnete Georg Winter erklärte in Kreuth: «Die Stimmung ist nicht einheitlich - das ist die Schwierigkeit!» Mehrere führende Fraktionsmitglieder forderten Stoibers Rückzug. «Zur Zeit ist die Stimmung nicht sehr positiv», sagt die Erlangener Abgeordnete Christa Matschl: «Ich hoffe auf eine gute Einsicht.» Beckstein wäre «der Mann, der das Vertrauen der Bevölkerung hat».
Die Altöttinger Abgeordnete Ingrid Heckner bedauerte, «dass Stoiber so an Basisgunst verloren hat» und hoffte, dass er «seiner Verantwortung gerecht wird». Dagegen sagte der Abgeordnete Alexander König: «Bei uns in Hof gibt es eine große Mehrheit für Stoiber.»
Sein Kollege Hans Stockinger sagte: «Ich glaube an eine gemeinsame Zukunft mit Edmund Stoiber.» Die bayerische SPD forderte Stoibers Rücktritt und drohte mit einem Volksbegehren für Neuwahlen. (nz)

