netzeitung.deHitler-Satire für Wolffsohn nur Geldmacherei

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Szene aus Levy-Film 'Mein Führer' (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Szene aus Levy-Film 'Mein Führer'
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Historiker Wolffsohn hat zurückhaltend auf den Film «Mein Führer» des Regisseurs Levy reagiert. Ärgerlich findet er dagegen Kommentare «von Teilen der akademischen Unkultur Deutschlands» zu der Satire.

Der Historiker Michael Wolffsohn hält die Filmkomödie «Mein Führer» des jüdischen Regisseurs Dani Levy für überflüssig. «Mein Bedarf an Hitler-Komödien ist längst gedeckt», sagte Wolffsohn der Netzeitung. «Man mache sich nichts vor: Charlie Chaplins 'Großer Diktator' hat den Nationalsozialismus ebenso verharmlost wie 'Sein oder Nicht sein' von Ernst Lubitsch. Was soll's also? Wozu?»

Für Wolffsohn, der an der Universität der Bundeswehr in München Neuere Geschichte lehrt, ist die Satire daher reine Geldmacherei. «Wer braucht Hitler als Witzfigur - außer jenen, die mit Hitler Geld machen wollen», sagte er. «Man merkt die Absicht und ist verstimmt.»

Scharfe Kritik äußerte Wolffsohn zudem an seinem Wissenschaftskollegen Hans-Ulrich Wehler, der sich dafür ausgesprochen hatte, Figuren wie Lenin, Stalin und Hitler besser der Geschichtswissenschaft zu überlassen. Wehler zeige damit «einmal mehr die Hochnäsigkeit und den Neid von Teilen der akademischen Unkultur Deutschlands», sagte Wolffsohn. «Gerade nichtuniversitäre Experten haben die bedeutendsten Bücher über Hitler geschrieben: Joachim Fest und Sebastian Haffner.»

Zwischen Lob und Kritik hatten sich am Mittwoch die Reaktionen auf die umstrittene Filmkomödie «Mein Führer» bewegt. So wurde der Streifen mit Helge Schneider in der Titelrolle, der am Dienstagabend in Essen Premiere hatte, vom Zentralrat der Juden scharf abgelehnt. Positiv reagierte hingegen WDR-Intendant Fitz Pleitgen, der von einer «gelungenen Entlarvung» des Nationalsozialismus sprach.

Regisseur Levy, der nach eigenen Worten auf eine «Tsunami-Welle der Kritik» eingestellt ist, verteidigte im Gespräch mit der «Zeit» noch einmal seinen Film, den er als Ausdruck eines Traums bezeichnete: «Ich könnte für dieses eine Mal die Regeln des Nationalsozialismus bestimmen, ich könnte mit subversiver Phantasie in die Geschichte eingreifen, ich schriebe den Nazis die Texte und lieferte sie ans Messer.»

Weiter sagte Levy der Wochenzeitung: «In meinem Film bin ich Gott und stehe über Hitler. Ich weiß, dass das an der Katastrophe nichts mehr ändern wird, aber ich habe die Kraft, neue Bilder zu schaffen.» Die noch andauernde Diskussion mit Verleihern, Kinobetreibern und Zuschauern sei anstrengend. «Die Frage ist: Hältst du aus, was du im Film behauptest, wenn du von draußen Gegenwind bekommst?» Und er fügte hinzu: «Wenn die Tsunami-Welle der Kritik über mich hereinbricht, muss ich manchmal stärker sein, als ich eigentlich bin.»


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