netzeitung.deHitler-Satire spaltet Deutschland

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Dani Levy und Hitler-Darsteller Helge Schneider (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Dani Levy und Hitler-Darsteller Helge Schneider
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Nicht nur die Mehrheit der deutschen Bevölkerung lehnt die Hitler-Satire von Regisseur Levy ab. Auch die Geschichtswissenschaft hält nichts davon, den Nazi-Diktator in einer Satire zu behandeln.

Die Mehrheit der Deutschen hat sich gegen die umstrittene Hitler-Satire von Regisseur Dani Levy ausgesprochen. Das geht aus einer Umfrage des Magazins «Stern» hervor. Demnach sind 56 Prozent der Bundesbürger gegen den Film «Mein Führer», 35 Prozent der Befragten sehen dagegen Levys Komödie als positiv an. Das alles allerdings ohne den Film überhaupt gesehen zu haben. «Mein Führer» läuft Donnerstag erst an.

Besonders hoch fällt die Ablehnung für den Film mit Hitler-Darsteller Helge Schneider im Osten Deutschlands aus. 67 Prozent der Befragten äußerten hier Bedenken gegen Levys Konzept, lediglich 22 Prozent finden die Idee einer Hitler-Satire gut. An der repräsentativen Studie nahmen 1005 Deutsche teil.

Kritisch über die Filmsatire äußerte sich auch der renommierte Historiker Hans-Ulrich Wehler. Er rief dazu auf, das Thema Hitler der Wissenschaft zu überlassen. «Die Behandlung von Figuren wie Lenin, Stalin und Hitler ist besser bei Wissenschaftlern aufgehoben als in einer Persiflage», betonte Wehler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Bielefeld. Der Film wolle vor allem angesichts der medialen Überfütterung mit NS- Stoffen unbedingt mit etwas Neuem faszinieren. «Aber die Nazi- Verbrechen sind Phänomene, die lassen sich nicht ins Bild übersetzen. In diese Lücke stößt eine solche Skandalnudel.»

«Keine Vorstellung von Vernichtungskrieg»
Gegen die ausschließlich wissenschaftliche Behandlung spreche jedoch möglicherweise das Generationsargument, räumte Wehler ein. «Jüngere Menschen haben keine genaue Vorstellung davon, was ein Vernichtungskrieg bedeutet.» Gegengewichte seien daher beispielsweise Dokumentationen oder große, seriöse Darstellungen, die zeigten «was Hitler über Deutschland und Europa gebracht hat» - wie etwa «Schindlers Liste» von Steven Spielberg.

«Als Historiker und als Angehöriger einer Generation, die vom Krieg etwas mitbekommen hat, finde ich das unmöglich», sagte der 75- Jährige zu Dani Levys Komödie mit Helge Schneider in der Hauptrolle. «Ohne Hitlers Befehl wären die Verbrechen gar nicht in Gang gekommen. Man kann dem Film nur den Absturz in die Nullquote wünschen.» Er kritisierte auch, dass TV-Entertainer Stefan Raab am Donnerstag in seiner bei ProSieben ausgestrahlten Comedy-Show «TV total» mit Schneider und Regisseur Levy über die Film-Satire sprechen wird. «Wenn Hitler ins Lächerliche gezogen werden soll, genügt der eine Film «Der große Diktator» von Chaplin. Das «TV Total» zu überlassen, das widerstrebt mir mit jeder Faser.»

«Oberflächlich, überflüssig»
Auch der Zentralrat der Juden hält den Film des jüdischen Regisseurs Levy für untragbar. Einen Tag nach der Premiere des Streifens am Dienstag in Essen nannte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, das Werk im «Tagesspiegel» «oberflächlich, überflüssig und sogar gefährlich». «Hitler war keine Witzfigur mit verkorkster Kindheit, er war nicht unzurechnungsfähig oder bloß ein Fall für den Therapeuten. Er verdient keine mildernden Umstände oder gar Mitleidsgefühle des Publikums», zitierte das Blatt Kramer.

Wer sich wirklich distanzieren wolle, brauche keine kollektive Entkrampfung durch eine deutsche Komödie. Levy bleibe hinter seinem selbst gesetzten Ziel zurück und handele grob fahrlässig in einer Zeit, in der Juden zunehmend Angriffsziele von Neonazis seien, sagte Kramer: «Das ist nicht die Zeit für eine solche Form der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in dem Land, in dem der Holocaust erfunden und exekutiert wurde.» (nz)