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SPD-Kritik an Schäubles Abschuss-Plänen

02. Jan 2007 14:19
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
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Die SPD gibt dem Vorstoß von Innenminister Schäuble, einen Abschuss entführter Flugzeuge zu ermöglichen, wenig Chancen. Der Koalitionspartner nannte seinen Vorschlag «aussichtslos».

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) stößt mit seinen Gesetzesplänen für einen möglichen Abschuss entführter Flugzeuge auf massiven Widerstand in Koalition und Opposition. Schäubles Vorschlag für einen im Grundgesetz verankerten so genannten Quasi- Verteidigungsfall sei «unausgegoren, nicht wirklich durchdacht und nicht realisierbar», sagte der innenpolitische Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, am Dienstag in Berlin. «Wir werden dem nicht zustimmen.»

Mehr in der Netzeitung:
Schäuble hatte in einem Gespräch mit der «Süddeutschen Zeitung» die in seinem Ministerium «auf Fachebene» erarbeiteten Gesetzespläne erläutert. Demnach sollen in einem so genannten Quasi- Verteidigungsfall die Regeln des Kriegsvölkerrechts gelten, also vor allem die Regeln des Genfer Abkommens zum Schutz der Opfer bewaffneter Konflikte.

Probleme mit der Verfassung

 Dieter Wiefelspütz
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Dann sind nur Angriffe verboten, «die in keinem Verhältnis zu erwarteten konkreten und unmittelbaren militärischen Vorteilen stehen». Das Verhältnismäßigkeitsprinzip bleibt Schäuble zufolge gewahrt, wenn zur Vermeidung einer noch größeren Katastrophe der Abschuss eines entführten Zivilflugzeugs - also die Tötung unschuldiger Flugpassagiere - gesetzlich erlaubt wird.

Die Pläne für einen neuen Gesetzentwurf waren vor Weihnachten in Umrissen bekannt geworden. Damit soll das Luftsicherheitsgesetz, das im Februar 2006 vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt worden war, verfassungsgemäß gemacht werden.

SPD: Versuch aussichtslos

«Das Grundgesetz kennt keinen Quasi-Verteidigungsfall», sagte Wiefelspütz. «Wenn Herr Schäuble meint, ein anderes Verständnis von Landesverteidigung in das Grundgesetz einführen zu können, dann wird dieser Versuch aussichtslos sein.» Am Begriff der Landesverteidigung sei mit der SPD nicht zu rütteln. «Wir wollen keinen anderen Verteidigungsbegriff.» Die Grenzen zwischen Verteidigungsfall und innerer Sicherheit dürften nicht verwischt werden.

Wiefelspütz verwies auf das Karlsruher Urteil vor knapp einem Jahr. «Das Gericht verbietet den Abschuss eines von Terroristen entführten Flugzeugs, wenn sich unschuldige Menschen an Bord befinden.» An dieses strikte Verbot seien die Verfassungsorgane und damit auch der Gesetzgeber gebunden. «Wir können uns nicht darüber hinweg setzen und einfach die Verfassung ändern.» Die SPD sei lediglich zu einer «sehr schmalen Grundgesetz-Änderung» bereit. So könne der Abschuss eines Flugzeugs allenfalls dann erlaubt werden, wenn sich an Bord ausschließlich Terroristen befänden.

Kritik von der Opposition

Volker Beck
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Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, kritisierte, Schäuble versuche das Verfassungsgericht «zu hintergehen». Mit einem «Quasi- Verteidigungsfall» würden «die Grenzen zwischen Kriminalitätsbekämpfung und Krieg verwischt», sagte er der Netzeitung.

Die innenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Gisela Piltz, warnte vor einer «Militarisierung der Innenpolitik». «Schäubles Spiel mit dem Kriegsrecht ist ein Spiel mit dem Feuer.» Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, warnte vor einem «permanenten Ausnahmezustand», sollte sich Schäuble mit seinem Vorstoß durchsetzen. (nz)

 
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